Krieg der Schlagwörter – bleibt die Wahrheit aussen vor?

Benutzername und Passwort unverschlüsselt und Kommentar zensuriert

Seit ungefähr Mitte der 90er Jahre wurde das Internet (Arpanet) mit einer als World Wide Web (WWW) bekannt gewordenen Technologie angereichert. Sie basiert auf dem sog. Hypertext Transfer Protocol  (HTTP). Da dieses Protokoll im ISO/OSI-Modell auf dem eine oder zwei Stufen (je nach Betrachtungsweise) tiefer liegenden Internet-Protokoll aufbaut, spricht man beim World Wide Web im Volksmund etwas verkürzt als „Internet“ schlechthin. Aber es braucht nicht lange darüber diskutiert zu werden, dass dieses «Internet» unseren Alltag  dramatisch geprägt hat. Inwiefern diese Prägung eher positiver oder eher negativer Natur ist, lässt sich nicht so einfach sagen. will man alle möglichen Gesichtspunkte in eine wirklich objektive Analyse einbeziehen. Subjektiv kann sich jeder eher selbst ein Bild machen, aber subjektiv ist eben nicht objektiv und objektiv ist das je nach Gesichtspunkt schon recht schwierig. Ist, wer sich seit Mitte der 90er Jahre dauernd im Internet herumtreibt, ein solcher objektiver Gesichtspunkt? Oder ist, wer sich immer gesträubt hat, sich mit dem Internet zu befassen, ein solcher objektiver Gesichtspunkt? Wohl kaum! Oder ist vielleicht die objektive Wahrheit vom Gebrauch oder Nicht-Gebrauch des Internets abhängig? Wohl auch nicht. Mehr subjektiv oder mehr objektiv betrachtet — das sei hier mal dahingestellt — möchte ich im Folgenden auf eine eher beängstigende Tatsache aufmerksam machen, was ich im Titel dieses Artikels zuzuspitzen versucht habe: Krieg der Schlagwörter – bleibt die Wahrheit aussen vor?

Kurz gesagt, bin ich in einem Internet-Forum beim Durchlesen von Blog-Artikeln und deren Kommentare auf eine wahnsinnige Tatsache katapultiert worden, die jedem aufmerksamen Beobachter mit gesundem Menschenverstand auffallen muss: Es herrscht Krieg! Nein, nicht mit Waffen, sondern ein Krieg der Worte und Begriffe. Ein Hin und Her von Argumenten, eine Besserwisserei in diese Richtung, eine Zerschlagung von Argumenten in jene Richtung. Da frägt man sich: Ja ist denn das die Möglichkeit, so ein Chaos?

Obwohl ich mir grosse Mühe gebe zu verstehen, wovon in den Schreiben und Kommentaren die Rede ist, bin ich eher verwirrt als erbaut. Was soll denn das? Da erinnerte ich mich zum Glück — so quasi als Notanker — an meinen Philosophie-Unterricht in den letzten zwei Gymnasiumsjahren vor dem Abitur (Matura), insbesondere erinnerte ich mich an den Begriff „Begriff“.

Aus dem Buch «Von der Philosophie fürs Leben lernen»

https://www.ifitblog.ch/?p=4214
Dr. Gion Darms – Von der Philosophie fürs Leben lernen, 2012

«In der Lehre vom Begriff ist das Begreifen die erste Tätigkeit des Verstandes. Wir können es definieren als den Akt, durch welchen der Verstand die Wesenheit eines Dinges erfasst, ohne davon etwas zu bejahen oder zu verneinen. Im Unterschied zum Urteilen haben wir es bei der Denktätigkeit des Begreifens mit einem einfachen oder blossen Erfassen der Wesenheit eines Dinges zu tun, das heisst, hier wird über das Objekt, das wir erfassen, noch keine Aussage gemacht, vor allem keine Aussage über dessen wirkliche Existenz. Deshalb wird das Begreifen in der Sprache der Schule simplex apprehensio, einfache Erfassung, genannt.

Zum Wesen des Begriffs gehört, dass der Verstand in seiner ersten Tätigkeit, dem Begreifen, den Begriff bildet, der das einfachste Element des Denkens darstellt. Wir können vom Begriff (oft auch Idee genannt) folgende Definition geben: Der Begriff ist das vom Verstand ausgeprägte, geistige Erkenntnisbild, worin der Verstand die Wesenheit eines Dinges erfasst. Das Erkenntnisbild ist ein Mittel zum Erkennen. Es verbindet Subjekt und Objekt miteinander und stellt dieses im Subjekt dar. Der Begriff ist ein geistiges Erkenntnisbild. Dadurch unterscheidet er sich vom Phantasiebild (phantasma), das sinnlicher Natur ist. Der Begriff ist ein vom Verstand ausgeprägtes Erkenntnisbild. Die Sinne bilden keine Begriffe.

Im Begriff erfasst der Verstand die Wesenheit (oder das Wesen) eines Dinges, die sogenannte Washeit (quidditas): das, was der Frage „Was ist das?“ als Antwort entspricht, zum Beispiel: Das ist ein Tier. Der Begriffsinhalt wird durch Abstraktion gewonnen: Der Verstand löst aus den Einzeldingen die Wesenheit los (= positive Abstraktion: etwas abstrahieren), indem er von den individuellen Merkmalen, von den Akzidentien, absieht (= negative Abstraktion: von etwas abstrahieren). In dieser Weise abstrahiert er beispielsweise aus den einzelnen Menschen die Wesenheit „vernunftbegabtes Sinnenwesen“, indem er Eigenschaften wie Grösse, Hautfarbe, Geschlecht, Alter usw. ausser Betracht lässt. Der Begriff enthält somit nur die vielen Dingen gemeinsame Wesenheit und sieht von den individuellen Merkmalen ab. Deshalb kann er von einer Vielheit von Dingen ausgesagt werden, zum Beispiel „vernunftbegabtes Sinnenwesen“ von allen menschlichen Individuen.

Unter dem Begriffsinhalt verstehen wir die Gesamtheit der Merkmale, die einen Begriff ausmachen (z.B. beim Begriff „Mensch“ die Merkmale Substanz = in sich existierendes Wesen, körperlich, belebt, sinnbegabt, vernunftbegabt bzw. vernunftbegabtes Sinnenwesen). Als Begriffsumfang bezeichnen wir die Gesamtheit der Träger, denen ein Begriff zukommt (beim Begriff „Mensch“ alle menschlichen Individuen). Zwischen Begriffsinhalt und Begriffsumfang besteht folgende Beziehung: Je grösser der Begriffsinhalt ist, desto kleiner ist der Begriffsumfang und umgekehrt. Anders formuliert: Begriffsinhalt und Begriffsumfang stehen zueinander im umgekehrten Verhältnis.»

Das Zitat über den Begriff stammt aus dem Buch „Von der Philosophie fürs Leben lernen“, Kapitel „Das Wesen des Begriffs“, Seite 40 ff, von Dr. Gion Darms, 2012, siehe auch Blog-Artikel „Dr. Gion Darms – ein Philosophie-Lehrer fürs praktische Leben„.

kath.net
Zensurierter Kommentar im kath.net zu Artikel mit Link http://kath.net/news/62259

Nun ist es klar, warum man auf folgende Frage jene Antwort bekommen kann: «Weisst du, was auf dieser Welt am gerechtesten verteilt ist?» Naheliegende Antwort: «Der Verstand, denn jeder meint, er habe davon am meisten.» Aber wo bleibt hier die Wahrheit? So viel weiss ich, denn nur Christus hat (im Evangelium) gesagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14, 6). Wenn wir uns also nur auf unsere eigene Erkenntnis und die gängigen, oberflächlichen Begriffe verlassen, dann beginnt meiner Meinung nach das Chaos oder wie gesagt der „Krieg der Schlagwörter“, wo das Begreifen — oder besser das Urteilen mit Hilfe dieser vagen Begriffe — ohne die Wahrheit nur auf unsere unvollkommene Erkenntnis zurückgeworfen wird.

Sind Internet-Foren objektiv oder subjektiv oder perfid?

http://www.so-gedacht.deEs herrscht bei den Internet-Foren die Konvention, dass man sich zum Kommentieren anmelden muss. Das ist ein möglicher Weg, wie sich die Betreiber der Website vor Spam und anderen Hacks schützen können. Aber Betreiber können mit einem Account, der meist aus Benutzername und Passwort besteht, auch noch Kommentare beliebig steuern. Zum Beispiel kann der Betreiber einen Kommentar nur einem Leser anzeigen, wenn er eingeloggt ist, sonst sieht er seinen eigenen Kommentar nicht. Und dieser Leser ist erstaunlicherweise auch der Verfasser des Kommentars. Damit hat der Verfasser den Eindruck, sein Kommentar sei veröffentlicht worden. Aber sobald er sich ausloggt, ist sein Kommentar wieder weg. Auch sieht diesen Kommentar niemand, ausser die Redaktion, welche den Kommentar auf diese Art zensuriert. Ist das klug oder schlau oder perfid? Verhindert diese Zensur eine Eskalation von Auseinandersetzungen um die erwähnten Schlagwörter? Auch sollte ein Betreiber seine Website verschlüsseln. Wenn nicht, dann gehen die Benutzernamen und Passwörter ungeschützt über die Leitung, was nicht gerade zur Integrität der Person beiträgt. Ein Hacker kommt dann ganz einfach an manipulative Tätigkeiten heran. Ihre Meinung ist nun gefragt. Für eine Antwort benutzen Sie bitte das Kontaktformular. Vielleicht entsteht so eine echte Diskussion, wo es um die Wahrheit (gmäss Evangelium) geht.

Screenshot-Galerie am Beispiel kath.net