Auch nach zwölf Jahren keine Gerechtigkeit für ermordetes christliches Ehepaar
Die katholischen Bischöfe Pakistans zeigen sich bestürzt über den Freispruch der letzten drei Männer, die wegen des Mordes an dem christlichen Ehepaar Shahzad Masih und Shama Bibi verurteilt worden waren. Für sie ist das Urteil Teil eines anhaltenden Kreislaufs der Straflosigkeit bei Gewalttaten gegen Christen und andere religiöse Minderheiten.
Shahzad Masih und seine schwangere Frau Shama Bibi waren im November 2014 in Kot Radha Kishan südlich von Lahore der Blasphemie beschuldigt worden. Ein Mob misshandelte das junge Ehepaar und verbrannte es anschliessend bei lebendigem Leib in einem Ziegelofen.
«Die Menschen haben das Gefühl, keine Stimme zu haben»

Bischof Samson Shukardin von Hyderabad, Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz Pakistans. (Archivbild 2023)
Bischof Samson Shukardin von Hyderabad, Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz Pakistans, erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT (ACN):
«Shahzad und seine schwangere Frau Shama wurden lebend ins Feuer geworfen. Was ist am Ende das Ergebnis all dieser Bemühungen um Gerechtigkeit? Die Menschen haben das Gefühl, keine Stimme zu haben und dass niemand ihnen zuhört.»
Auch Bischof Indrias Rehmat von Faisalabad zeigte sich zutiefst enttäuscht: «Nach zwölf Jahren wiederholt sich die Geschichte. Am schwersten trifft es jene, die weiterhin unter Diskriminierung und Demütigung leiden.»
Kritik nach den Angriffen von Jaranwala
Bischof Rehmat verwies auch auf ein Urteil im Zusammenhang mit den schweren Ausschreitungen von Jaranwala im August 2023. Damals wurden 26 Kirchen und mehr als 80 Häuser christlicher Familien angegriffen.
Ein Anti-Terror-Gericht verurteilte einen Mann zu zehn Jahren Haft, sprach jedoch zwölf weitere Beschuldigte frei. Bischof Rehmat kritisierte, den mutmasslichen Tätern werde immer wieder «der Vorteil des Zweifels» eingeräumt.
Mangelhafte Ermittlungen erschweren Verurteilungen
Die Nationale Katholische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP) beklagt ein «anhaltendes Muster der Straflosigkeit» bei Verbrechen gegen religiöse Minderheiten.
Bischof Shukardin, der auch Vorsitzender der NCJP ist, sieht einen wesentlichen Grund in mangelhaften polizeilichen Ermittlungen. Fälle würden nicht ausreichend dokumentiert, sodass den Gerichten später die notwendigen Beweise fehlten.
«Die Gerichte stützen sich auf das, was die Polizei ihnen vorlegt. Die Verbrechen sind oft äusserst schwerwiegend und verlangen nach Gerechtigkeit. Doch am Ende ist die Beweislage zu schwach», sagte der Bischof.
Appell an die internationale Gemeinschaft
Bischof Shukardin ruft westliche Regierungen dazu auf, Pakistan stärker zur Einhaltung der Religionsfreiheit zu drängen. Internationale Delegationen besuchten zwar regelmässig Islamabad, erführen jedoch oft wenig über die tatsächliche Lage der Minderheiten im Land.
Beide Bischöfe dankten KIRCHE IN NOT (ACN) dafür, auf Verfolgung und Diskriminierung in Pakistan aufmerksam zu machen. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit sei entscheidend, um den Opfern Gehör zu verschaffen.
KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützte Projekte der katholische Kirche Pakistans im Jahr 2025 mit rund CHF 2.2 Mio.
Bischof Rehmat sagte abschliessend: «Wir stehen fortwährend vor der Herausforderung, diese Ungerechtigkeiten ans Licht zu bringen. Ich bin dankbar, dass Sie unseren Anliegen Gehör schenken.»

Zudem hätten Christen und Angehörige anderer Minderheiten Angst, öffentlich Gerechtigkeit einzufordern. «Wer es wagt, sich zu äussern, bringt auch sein eigenes Leben in Gefahr.»
«Denjenigen, die unsere Kirchen zerstören, unsere Bibeln schänden und unsere Häuser anzünden, wird Freiheit gewährt. Diejenigen hingegen, die Leid und Tragödien erdulden mussten, werden im Stich gelassen.»
Die beiden Bischöfe sehen in dem Urteil keinen Einzelfall. Nach Angriffen gegen Christen komme es zwar häufig zu raschen Festnahmen. Später würden jedoch viele Beschuldigte wieder freigelassen, weil Anklagen zurückgezogen oder Urteile aufgehoben würden.
Der Oberste Gerichtshof Pakistans hob nun die Todesurteile gegen die letzten drei Verurteilten auf. Als Begründung nannte das Gericht eine unzureichende Beweislage. Gleichzeitig wies es die Berufung der Provinzregierung von Punjab gegen den Freispruch von 102 weiteren Beschuldigten zurück.