{"id":88,"count":66,"description":"Insofern Priester (griechisch presbyteros = der \u00c4lteste, eine uralte Amtsbezeichnung) der ist, der vor Gottes Angesicht treten, unmittelbar zu ihm sprechen, sich und sein Dasein opfernd an die unbegreifliche Verf\u00fcgung Gottes anheimgeben und Berufung auf das einmalige Opfer Jesu in seinem Leben und am Kreuz als auch ihm selbst zu eigen gegebenes Opfer einlegen darf, ist jeder durch Gottes Gnade Gerechtfertigte und Geheiligte ein Priester, nimmt er teil am k\u00f6niglichen Priestertum aller Glaubenden in Jesus Christus (1 Petr 2,9), au\u00dferhalb dessen kein Priestertum ist und in dem jeder Priester ist. Aber die Gemeinde der Glaubenden, die dieses gemeinsame Priestertum aller tragen, hat nach Gottes Willen (wegen der Geschichtlichkeit der Inkarnation, des Kreuzes und der Auferstehung Jesu als des Grundes dieser priesterlichen Gnade) eine geschichtliche und gesellschaftliche Greifbarkeit im  verk\u00fcndigten Wort und im Sakrament und darum eine gesellschaftliche Verfa\u00dftheit, eine rechtliche Struktur, damit in dieser Kirche auch die sichtbare Einheit und Ordnung in Wahrheit, Kult, Liebe und Lebenstat gewahrt bleibe. Insofern es innerhalb der priesterlichen Gemeinde der Glaubenden eine vom Geist Gottes getragene Leitung der kultisch-sakramentalen Funktion der Kirche in der Feier des Abendmahles und der Spendung der Sakramente und der Weitergabe dieser Leitungsgewalt geben soll, spricht man von einem Amtspriestertum und von seiner Vollmacht als von der \"Weihegewalt\" (im Unterschied von der \"hoheitlichen\" Gewalt, durch die die \u00e4u\u00dfere rechtliche Leitung der Kirche geschieht). Das II. Vatikanum versuchte zwar, das Wesen des Amtspriestertums, das dem Wesen und nicht nur dem Grad nach vom gemeinsamen Priestertum aller verschieden sei (Kirche 10), nicht im ersten Ansatz von der Weihegewalt und den sakramentalen Vollmachten her zu bestimmen. Es versuchte, den Ansatz dieser Amtsbestimmung beim Dienst am Wort Gottes zu nehmen, so da\u00df man sagen k\u00f6nnte: Der Priester ist der auf eine Gemeinde bezogene, im Auftrag der Kirche als ganzer und so amtlich redende Verk\u00fcnder des Wortes Gottes derart, da\u00df ihm die sakramental h\u00f6chsten Intensit\u00e4tsgrade dieses Wortes anvertraut sind. Au\u00dferdem versuchte das Konzil, die theologische Begr\u00fcndung des Amtspriestertums durch den Gedanken der besonderen Teilhabe an den drei Amtern Jesu Christi zu vertiefen. Da jedoch allen Gliedern der Kirche Jesu diese Teilhabe und mindestens grunds\u00e4tzlich die Bef\u00e4higung zum Dienst am Wort und zur Leitung einer Ortsgemeinde zukommen, tritt weiterhin die Weihegewalt als das Specificum des Amtspriestertums hervor. An dieser amtspriesterlichen Weihegewalt (Potestas ordinis) der Kirche und in der Kirche kann in (haupts\u00e4chlich) dreifach gestufterweise Anteil gegeben werden (Ordo; zur Milderung des \"Stufendenkens\" hob das II. Vatikanum die Einheit des Presbyteriums aus Bischof und Priestern hervor: Kirche 28). Sie bildet (trotz einer Variabilit\u00e4t des gegenseitigen Verh\u00e4ltnisses) mit der hoheitlichen Gewalt eine Einheit; sie ist ein Auftrag zum Dienst an der Kirche und am gemeinsamen Priestertum aller Christen; die mit ihr gegebenen Vollmachten (besonders hinsichtlich Me\u00dfopfer, S\u00fcndenvergebung und der anderen Sakramente) kommen den Tr\u00e4gern des Amtspriestertums zwar durch Weihe (als sakramental apostolische Successio) von Jesus Christus und nicht von den Gl\u00e4ubigen als solchen zu, aber sie sind von Jesus Christus gegeben, insofern er will, da\u00df die Kirche (also die innere Heiligkeit und \u00e4u\u00dfere gesellschaftliche Einheit aller Gerechtfertigten) sei, und sie sind somit zur \"Erbauung\" (1 Kor 14,3) und zum Dienst der Gesamtkirche. Sie sind (man verzeihe den Vergleich) in \u00e4hnlicher Position wie die Funktion\u00e4re eines Klubs berufener Schachspieler: ihre Funktionen k\u00f6nnen von den einzelnen Schachspielern nicht wahrgenommen werden. Aber ihre Funktionen dienen letztlich nur einem: da\u00df hervorragend Schach gespielt wird. Und darin findet der Klub seinen Sinn und seinen Vollzug. Worauf das Amtspriestertum zielt, ist somit das gemeinsame Priestertum der Glaubenden und Liebenden, der durch Gottes Geist Gepr\u00e4gten, der Erl\u00f6sten, die in Jesus Christus sich selbst Gott bedingungslos in einer Einheit von Gottes- und N\u00e4chstenliebe anheimgeben. Dieses aber ist, an einem letzten Ma\u00dfstab gemessen, das H\u00f6here. Das Amtspriestertum aber als solches verweist auch in seinem Tr\u00e4ger wieder auf Glaube, Gnade, Liebe zur\u00fcck. Denn es fordert nochmals, soll es recht verwaltet werden, diesen Geist, der \u00fcber alle Glieder der Kirche ausgegossen ist. Insofern der Amtspriester nicht einfach nur wie normalerweise der Laie an dem ,\"Ort\", an dem er durch seine nat\u00fcrliche Existenz (Geburt, Familie, Vaterland, Zeit, weltlicher Beruf) steht, Jesus Christus bezeugen mu\u00df, sondern an der spezifisch amtsmissionarischen Aufgabe der Kirche (Mt 28,19f) teilhat, solidarisch neue existentiale Situationen der Menschen zu erfassen, in denen das Christentum nicht gegenw\u00e4rtig ist, bedarf das Amtspriestertum eines spezifisch eigenen Geistes der Verantwortung, des Mutes, der Selbstlosigkeit, der dienenden Selbstaufgabe f\u00fcr andere, der inneren Einf\u00fchlung in Mentalit\u00e4t und Milieu anderer. kthW","link":"https:\/\/www.ifit.li\/?tag=priestertum","name":"Priestertum","slug":"priestertum","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/88","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=88"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}