{"id":81,"count":3,"description":"Sakrament (lat. zuerst Fahneneid, auch Initiation; w\u00f6rtlich = Heiliges). Das Grundwesen des Sakramentes ist das Wort; die \u201cMaterie\u201c hat im Grund dem Wort gegen\u00fcber nur eine sekund\u00e4re, das Wort verdeutlichende Funktion. Das in der Kirche im Namen und Auftrag Gottes und Jesu Christi gesagte Wort hat grunds\u00e4tzlich \u201cexhibitiven\u201c Charakter, d.h., es bewirkt, was es anzeigt, n\u00e4mlich Gottes Gnade. Wort Gottes im strengsten und eigentlichen Sinn kann es ja nur als Ereignis seiner Gnade geben. Das Wort des Evangeliums ist immer getragen von einer von Gott her und nicht blo\u00df vom guten Willen des Menschen her tats\u00e4chlich wirksamen Gnade. Dieses Wort des Heils im Mund der glaubend verk\u00fcndigenden Kirche als eschatologisch siegreiches Wort ist letztlich an die Welt gerichtet: die Kirche ist Tr\u00e4gerin jenes eschatologisch siegreich heilschaffenden Wortes der Selbstzusage Gottes an die Welt. Daher ist die Kirche das Grund- oder Ursakrament (vgl. II. Vatikanum, Kirche 19 48 59; Kirche\/Welt 42 45; Miss. 15 u.\u00f6.). Die Kirche ist durch ihren glaubend geh\u00f6rten und verk\u00fcndeten Glauben an die in Jesus Christus eschatologisch siegreiche Gnade Gottes das Sakrament des Heils der Welt, weil sie jene Gnade in der Welt als eschatologisch siegreiche anzeigt und pr\u00e4sent macht, die aus dieser Welt nie mehr weichen wird und diese Welt un\u00fcberwindlich auf das vollendete Reich Gottes hinbewegt. Dieses sakramentale Zeichen der Gnade ist ein wirksames Zeichen, nicht weil es den ohne es nicht bestehenden Gnadenwillen Gottes hervorrufen w\u00fcrde, sondern weil durch es eben dieser Gnadenwille Gottes sich selbst zur geschichtlichen Erscheinung bringt und so sich selber auch geschichtlich unwiderruflich macht: das Sakrament wirkt als Opus operatum. Das Wesen des Sakramentes ist also nur richtig zu begreifen, wenn das Opus operatum von der eschatologischen Situation des Heils in Jesus Christus her verstanden wird: weil diese Ordnung die letzte und endg\u00fcltige und siegreiche ist, ist gerade die in ihr gegebene Heilszusage absolut und in ihrer von Gott her absolut ernst gemeinten G\u00fcltigkeit nicht an die sittliche Verfassung dessen gebunden, der diese Zusage dem anderen Menschen ausrichtet, noch wirksam wegen der Disposition und Intention des Adressaten dieser Zusage, wenn diese auch die (evtl. durch die Zusage selbst bewirkte) Voraussetzung des \u201cAnkommens\u201d der Gnade beim einzelnen Menschen als solchem ist, wobei der Sieg dieser Zusage im allgemeinen und ganzen nochmals von der Gnade selbst bewirkt und als tats\u00e4chlich eintretend proklamiert ist in der eschatologischen Eigenart dieser Zusage. Wo die Kirche im absoluten Engagement ihrer selbst diese Zusage im Namen Gottes und Jesu Christi absolut macht auf den Einzelnen hin in entscheidenden Situationen der Heilsgeschichte dieses Einzelnen, ist dieses Opus operatum in Gestalt der Einzel-Sakramente gegeben. Entsprechend dem sozialen Charakter der Kirche und der inkarnatorischen Struktur der Gnade und des Heiles geschieht diese Zusage notwendig, um wirklich absolutes Engagement der Kirche als der eschatologisch siegreichen Pr\u00e4senz und Repr\u00e4sentanz der Gnade Gottes in Jesus Christus zu sein, in einem bestimmten \u201cZeremoniell\u201d (wie jeder feierliche, amtliche Akt einer Gemeinschaft). Dieses Zeremoniell kann in blo\u00dfen Worten (bestimmter Gestalt: \u201cForm\u201d) bestehen (Vergebungswort, Eheabschlu\u00df), oder das immer notwendige Wort kann verbunden sein mit einer liturgischen Geste (der \u201cMaterie\u201d, z. B. Handauflegung), oder es kann bestehen in einem liturgischen Tun, das Wort und Geste durch Verwendung einer stofflichen Wirklichkeit (Abwaschung mit Wasser, Salbung mit \u00d6l oder Chrisam, Darreichung einer Speise) noch mehr verdeutlicht (Taufe, Firmung, Eucharistie, Krankensalbung). Insofern Jesus Christus durch sein gemeindebildendes Leben, durch Kreuz und Auferstehung die Kirche als die repr\u00e4sentative Pr\u00e4senz seines eschatologisch siegreichen Heiles gewollt hat, sind grunds\u00e4tzlich die Sakramente als absolute Vollz\u00fcge dieser siegreichen Gnadenpr\u00e4senz auf den Einzelnen in seinen entscheidenden Situationen hin schon von Jesus Christus \u201cgestiftet\u201d. Dar\u00fcber hinaus haben wir (ohne da\u00df dies f\u00fcr alle Sakramente als grunds\u00e4tzlich n\u00f6tig erkl\u00e4rt werden mu\u00df) auch historisch \u00fcberlieferte Auftragsworte Jesu f\u00fcr Taufe (Mt 28,19), Eucharistie (Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24; Lk 22, 19-20; 1 Kor 11,24f) und Bu\u00dfsakrament (Mt 16,18f; Jo 20,22f) (vgl. auch, was das Amt betrifft, Schl\u00fcsselgewalt, Binde- und L\u00f6segewalt). Die genauere Bestimmung des g\u00fcltigen Ritus in seinen konkreten Einzelheiten oder die entfaltende Teilung eines sakramentalen Handelns in mehrere Phasen (Ordo) ist aus der Natur eines solchen sozialen Geschehens heraus Sache der Kirche. Die Kirche hat erst im 11. Jh. diese ihre eigenen vielf\u00e4ltigen und innerlich untereinander verschiedenen Grundvollz\u00fcge unter einen gemeinsamen formalen Begriff, eben des Sakramentes, gebracht (ex opere operato wirksames Zeichen der Gnade, von Jesus Christus als bleibendes Zeichen gestiftet). Seit dieser Zeit z\u00e4hlt sie (auch in \u00dcbereinstimmung mit den Ostkirchen) sieben Sakramente: die Initiation des Menschen in die Kirche (Taufe) und seine von daher ausdr\u00fccklich gemachte (extrapolierte) Weitsendung im Heiligen Geist (Firmung); die Wiedervers\u00f6hnung des getauften, reuigen S\u00fcnders (in der Wiederbelebung der Taufgnade) mit der Kirche und Gott im kirchlichen Vergebungswort (Bu\u00dfe); die zentrale Feier des Abendmahls Jesu als die anamnetische Gegenwart seines Erl\u00f6sungsopfers in der kultischen Opferfeier, die Feier der liebenden Einheit der Kirche, die prognostische Vorwegnahme des Gastmahles im Reich Gottes (in der Eucharistie); die f\u00fcrbittende und weihende Hilfe der Kirche in dem Dringend- und Dr\u00e4ngendwerden der Todesverfallenheit des Menschen in schwerer Krankheit (in der Krankensalbung); die Weitergabe des Amtes und des Amtscharismas (im Ordo) und die Heiligung der ehelichen Liebe in deren Einbeziehung in das Mysterium der einenden und vergebenden Liebe Jesu Christi zur Kirche (Ehe). Diese Siebenzahl solcher radikalen exhibitiven Gnadenworte in der Kirche wird von der Kirche nicht blo\u00df einfach als gegeben festgestellt, sondern impliziert eine geschichtliche Entscheidung der Kirche selbst, in der die Kirche eben diesen und nicht anderen Worten jenes absolute Engagement der Kirche zuerkennt, das f\u00fcr ein solches radikal exhibitives Gnadenwort, Sakrament genannt, vom Wesen der Sache her notwendig ist. Die Sakramente enthalten, bezeichnen und verleihen in einer Instrumentalurs\u00e4chlichkeit die Gnade, indem sie diese anzeigen. Der bevollm\u00e4chtigte Spender der Sakramente ist je nach dem Sakrament verschieden (bei der Ehe ist es der Laie, bei der Taufe gegebenenfalls auch). Zur Heilsnotwendigkeit der Sakramente vgl. DS 1604; NR 509; Heilsnotwendigkeit. 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