{"id":73,"count":9,"description":"Eucharistie (griechisch eucharistein = danken; eu = gut; charis = Geschenk) bezeichnet nach dem Wortsinn und dem urspr\u00fcnglichen Gebrauch die Danksagung dessen, der \u201ewohlbeschenkt\u201c und als Folge davon \u201edankbar\u201c ist. Weiterhin bedeutet Eucharistie Dankbarkeit, aber auch Dankgebet. In einem sp\u00e4teren Verst\u00e4ndnis bezeichnet Eucharistie dar\u00fcber hinaus den \u201eLeib\u201c Jesu, insofern dieser in der eucharistischen Handlung der Kirche unter der Sichtbarkeit der Brot- und Weingestalt Ausgangspunkt und Mitte dieser Handlung ist.\r\n\r\nI. Die durch Eucharistie bezeichnete Wirklichkeit ist grundgelegt durch das Abendmahl Jesu (vor allem Lk 22,19f und 1 Kor 11,23ff; vgl. Mk 14,22ff). Dort gibt Jesus nach seinen Worten seinen \u201eLeib\u201c und sein \u201eBlut\u201c zum Genu\u00df unter der Empirie des Empfangs von Brot und Wein. Der Sinngehalt dieser Handlung ergibt sich aus der Situation und aus den verwendeten Begriffen. Von grundlegender Bedeutung ist der Todesgedanke: Jesus nimmt bewu\u00dft sein Schicksal an und bringt es in Zusammenhang mit dem zentralen Inhalt seiner Verk\u00fcndigung. Ferner versteht Jesus dieses Mahl eschatologisch als Vorwegnahme endg\u00fcltiger Festfreude. Schlie\u00dflich ist der Gemeinschaftsgedanke bei diesem Mahl Jesu konstitutiv (Verbindung Jesu mit seinen Freunden und Stiftung der Gemeinschaft seiner Freunde untereinander). Aus den verwendeten Begriffen ergibt sich: Nach dem Semitischen bezeichnet \u201eLeib\u201c die leibliche Greifbarkeit der Person Jesu; im Zusatz zum Brotwort wird Jesus als der Ebed Jahwe schlechthin (vgl. ls 53,4-12) ausgesagt; das \u201eBlut\u201c aber ist genauer pr\u00e4zisiert als das von Jesus zur Stiftung des Neuen Bundes mit Gott vergossene (vgl. ebenfalls ls 42,6; 49,8); damit ist Jesus als blutig Sterbender gekennzeichnet. Die Gaben sind also identisch mit dem den gewaltsamen Tod in freiem Gehorsam \u00fcbernehmenden und darin den neuen Bund begr\u00fcndenden Gottesknecht Jesus. Die Identit\u00e4t zwischen der eucharistischen Speise der Kirche und dem Leib und Blut Jesu wird 1 Kor genauerhin bestimmt: Sie ist der von Jesus beim Abendmahl dargereichte Leib; sie ist der gekreuzigte Leib Jesu, und so wird bei dessen Genu\u00df der Tod Jesu als heilswirksam proklamiert und wirksam gemacht; sie ist Fleisch und Blut des Erh\u00f6hten, durch dessen Genu\u00df die Einzelnen zur Gemeinschaft des einen pneumatischen Leibes Jesu Christi zusammengeschlossen werden (1 Kor 10,16f). Die Bleibendheit dieser Speise in der Kirche und als die Speise der Kirche ergibt sich aus dem unmittelbar mit den Einsetzungsworten verkn\u00fcpften \u201eGed\u00e4chtnisbefehl\u201c: \u201eTut dies zum Ged\u00e4chtnis (Anamnese) meiner selbst.\u201c Durch den Auftrag, weiterhin \u201edies\u201c zu tun, ist gesichert, da\u00df die gesamte Christuswirklichkeit immer dort wirksam pr\u00e4sent ist, wo \u201edies\u201c (n\u00e4mlich das Abendmahl) von den J\u00fcngern Jesu legitim vollzogen wird. In diesem von Jesus selbst gewollten Nachvollzug des Abendmahles wird zugleich das blutige Opfer Jesu Christi am Kreuz gegenw\u00e4rtig, weil ja Fleisch und Blut des leidenden und sterbenden Gottesknechtes als hingegeben und vergossen f\u00fcr \u201edie Vielen\u201c (= f\u00fcr Unz\u00e4hlige) pr\u00e4sent werden und nur als solche nach der Stiftung Jesu selbst pr\u00e4sent werden k\u00f6nnen und weil diese Gegenwart des einen Opfers Jesu Christi unter einer liturgischen Opfer-Handlung der Kirche gegeben ist. Somit ist die Eucharistiefeier der Kirche immer schon wirkliches Mahl, insofern in ihr Leib und Blut Jesu Christi wirklich als Speise da sind und zugleich wirkliches Opfer, insofern das eine Opfer Jesu in der Geschichte bleibend wirksam ist und durch die liturgische Repr\u00e4sentationstat der wesentlich geschichtlichen Gr\u00f6\u00dfe \u201eKirche\u201c in der Eucharistiefeier bleibend wirksam gemacht wird. Diese beiden Wirklichkeiten in der einen Eucharistiefeier k\u00f6nnen darum auch nicht v\u00f6llig getrennt voneinander theologisch reflektiert werden; der Verweis auf Me\u00dfopfer mu\u00df also f\u00fcr die gesamte Darstellung der Eucharistie gelten. \u2013 Vergegenw\u00e4rtigt werden aber auch Menschwerdung, Auferstehung und Erh\u00f6hung Jesu (vgl. Jo 6,57f; Hebr 10,5-10).\r\n\r\nII. Die Eucharistie ist im vollsten und urspr\u00fcnglichsten Sinn Sakrament, das unmittelbar durch Jesus Christus selbst eingesetzt ist, in dem der wahre Leib und das Blut Jesu (und damit die ganze, heilschaffende konkrete Wirklichkeit des Herrn) wirklich gegenw\u00e4rtig ist, unter jeder der beiden \u201eGestalten\u201c von Brot und Wein und in jedem ihrer Teile. Die Gegenw\u00e4rtigsetzung des Leibes und Blutes Jesu Christi und seines Todesopfers geschieht im Me\u00dfopfer der Kirche durch die Konsekration des Priesters, der als \u201eForm\u201c des Sakramentes die Einsetzungsworte Jesu selbst spricht. Diese Konsekration mu\u00df n\u00e4herhin verstanden werden als eine echte Wandlung einer Substanz (n\u00e4mlich des Weizenbrotes und des Rebenweines als \u201eMaterie\u201c in eine andere (n\u00e4mlich Fleisch und Blut Jesu) (siehe Transsubstantiation). Sosehr sie im Hinblick auf den Genu\u00df dieses Leibes und Blutes Jesu durch die empfangenden Gl\u00e4ubigen bei der Kommunion (vgl. Kommunikation) geschieht und durch sie selbst vor allem die Gegenw\u00e4rtigsetzung des Kreuzesopfers in dieser konkreten Stunde innerhalb der Geschichte (durch die Kirche) bewirkt wird, so bleibend ist doch ihr tats\u00e4chliches Ereignis: Solange die Gestalten der \u201eSpeise\u201c (zum Genu\u00df) gegeben sind, ist auch Jesus Christus gegenw\u00e4rtig (und anzubeten). Diese bleibende wirkliche Gegenwart Jesu Christi (\u201eRealpr\u00e4senz\u201c) bleibt aber notwendig bezogen auf die Setzung dieser Gegenwart in der Eucharistiefeier der Kirche und auf die Zielsetzung, die im Empfang (\u201eEssen\u201c) durch den Gl\u00e4ubigen besteht.\r\n\r\nIII. Im Vollzug und Empfang der Eucharistie vollzieht die Kirche (und der einzelne Gl\u00e4ubige) wirklich \u201eEucharistie\u201c, das heisst, sie vollzieht die Danksagung, wie sie als h\u00f6chstm\u00f6gliche und spezifisch \u201ekirchliche\u201c nur der Kirche Jesu Christi m\u00f6glich, ihr aber zugleich als Grundgesetz aufgetragen ist: Indem sie Jesus Christus selbst wirklich bei sich \u201ehat\u201c und wirklich (wenn auch in der k\u00fchnen Wirklichkeit des Glaubens) als Speise annimmt, \u201esagt\u201c sie (verwirklicht sie, vollzieht sie) jene dankbare Antwort auf das Gnadenangebot Gottes (seine Selbstmitteilung), die darum die intensivste ist, weil sie von dem immer schon geliebten und endg\u00fcltig akzeptierten Leben Jesu in Fleisch und Blut \u201eformuliert\u201c ist. Die \u201eWirkung\u201c der Eucharistie ist also nicht nur als eine individuelle, im Einzelnen geschehende zu denken, durch die dieser die personale Teilhabe am Leben Jesu Christi erh\u00e4lt und die Gnade zur Verwirklichung dieser Teilhabe in einem \u201echristlichen\u201c (im strengen Sinne: das Leben Jesu Christi durch Liebe, Gehorsam und Dankbarkeit gegen\u00fcber dem Vater, Vergebung und Geduld repr\u00e4sentierenden) Leben, sondern vor allem als eine ekklesiologische (soziale): In der Eucharistie wird der gn\u00e4dige und reuelose Heilswille Gottes gegen\u00fcber allen Menschen in dieser Welt pr\u00e4sent, greifbar und sichtbar, insofern durch sie die greifbare, sichtbare Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen (Kirche) zu dem Zeichen gestaltet wird, das nicht nur auf eine irgendwo m\u00f6gliche Gnade und Heilswilligkeit Gottes verweist, sondern die Greifbarkeit und Bleibendheit dieser Gnade und des Heiles ist. Das Sakrament der Eucharistie und die Sakramentalit\u00e4t der Kirche h\u00e4ngen also eng zusammen (siehe Kirche, Ursakrament). kthW","link":"https:\/\/www.ifit.li\/?tag=eucharistie","name":"Eucharistie","slug":"eucharistie","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/73","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=73"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}