{"id":60,"count":19,"description":"S\u00fcnde (als Tat) im vollen Sinn (\u201eschwere S\u00fcnde\") ist die freie, existentiell radikale Entscheidung gegen den in der Ordnung der Natur und Gnade und in der Wortoffenbarung geoffenbarten Willen Gottes (Voraussetzung: voll einsichtiges Wissen, Freiheit und sachgem\u00e4\u00df wichtige Materie; vgl. Akt). In ihr versagt sich das Gesch\u00f6pf dem Willen des Sch\u00f6pfers zu den Grundstrukturen seiner Sch\u00f6pfung und seines Bundes (so im S\u00fcndenbegriff des AT) und dem Willen Gottes zu seiner Selbstmitteilung an die Kreatur in der Gnade und widerspricht so auch seinem eigenen Wesen und dem Sinn seiner Freiheit, Liebe zum h\u00f6chsten verwirklichten Wert, zum pers\u00f6nlichen Gott, zu sein. S\u00fcnde ist wesenswidrig, aber m\u00f6glich, als Tatsache bezeugt in der Erfahrung der eigenen Freiheit und durch das Wort der Offenbarung (im AT: das Erheben der Hand gegen Gott, Nm 15,30 usw.). Sie partizipiert als Mysterium iniquitatis (Geheimnis der Bosheit; B\u00f6se) an dem Geheimnis, da\u00df kreat\u00fcrliche Freiheit nicht nur von Gott her, sondern auch vor und gegen Gott m\u00f6glich ist trotz (und zugleich wegen) der sch\u00f6pferischen Allmacht und Allwirksamkeit Gottes. Angesichts der Einheit von Gottes- und N\u00e4chstenliebe ist zu beachten, da\u00df sich die S\u00fcnde gegen Gott und gegen die Mitmenschen (in Einheit) richtet. Der S\u00fcnder h\u00e4lt vor sich selbst seine Schuld in Finsternis nieder, er verdr\u00e4ngt sie. So sehr die schwere S\u00fcnde Wissen und Freiheit voraussetzt und sich am konkreten \"Material\" vollzieht, so kann diese wissende Freiheit als Schuld sich doch sehr unthematisch als totale Haltung und Befindlichkeit des personalen Grundes des Menschen vollziehen, die nicht ad\u00e4quat reflektierbar sind, so da\u00df der Mensch ein reflexes Urteil absolut sicherer Art \u00fcber sich nicht f\u00e4llen kann (Heilsgewi\u00dfheit). Ihr Eingest\u00e4ndnis ist selbst schon erste Wirkung der erl\u00f6senden Offenbarung und Gnade  Gottes. Als aus der Tat entspringender Zustand (habituelle S\u00fcnde, bei Paulus griechisch hamartia, die S\u00fcnde: vgl. R\u00f6m 5 ff) ist die S\u00fcnde in der realen Ordnung (von Natur und Gnade) der schuldhaft herbeigef\u00fchrte, Gottes Willen widersprechende Nichtbesitz der heiligmachenden Gnade, sei es als Erbs\u00fcnde, sei es als pers\u00f6nlich bewirkter S\u00fcndenzustand. S\u00fcnde kann nur in Freiheit und nur im Ma\u00df dieser Freiheit geschehen. Die Begierde ist Folge der Erbs\u00fcnde, Anreiz zur pers\u00f6nlichen S\u00fcnde, aber als solche noch nicht S\u00fcnde. Wo zwar ein Versto\u00df gegen Gottes Willen, aber ohne gen\u00fcgende Freiheit (wegen unvollkommener Kenntnis oder Freiheitshemmung) oder nicht gegen ein wesentliches Moment der durch Gottes Willen sanktionierten Wertordnung geschieht, ist eine \u201el\u00e4\u00dfliche\" S\u00fcnde gegeben, durch welche die grunds\u00e4tzliche Hinordnung auf Gott in der Gnade nicht aufgehoben wird. Ist das Grundwesen der (schweren) S\u00fcnde als radikales Nein gegen Gottes Willen auch immer dasselbe, so spezifiziert sie sich doch je nach dem Material aus der pluralen Wertwelt, an dem dieses Nein realisiert wird, in verschiedenen S\u00fcndenarten (Laster: vgl. Lasterkataloge). Wo die S\u00fcnde in der vollendeten Selbstverf\u00fcgung des Menschen in Freiheit durch den Beschlu\u00df seines zeitlichen Lebens im Tod ihre Endg\u00fcltigkeit f\u00e4nde, w\u00e4re sie Verdammnis (H\u00f6lle). Trotz ihres Ursprungs aus dem Freiheitsgebrauch gegen den Willen Gottes entkommt durch sie die endliche Kreatur nicht dem Willen Gottes, der an ihr seine heilige Gerechtigkeit und sein grundloses Erbarmen offenbaren kann. Der protestantische Begriff der S\u00fcnde ist durch den Gegensatz zum katholischen bestimmt: er betont die jeder Tats\u00fcnde zugrunde liegende, s\u00fcndhafte Grundverfassung des Menschen, die zun\u00e4chst kein moralisches Versagen durch \u00dcbertretung der g\u00f6ttlichen Gebote ist, sondern personaler Unglaube gegen\u00fcber Gott aus seinshafter = ererbter Selbstsucht und Ichperversion; der Mensch ist S\u00fcnder, d.h., er kann nicht Gott und den N\u00e4chsten spontan lieben, es sei denn, der Heilige Geist bekehrt ihn allein aus Gnade zum Glauben; diese Rechtfertigung beseitigt aber auf Erden nicht die S\u00fcndhaftigkeit (simul iustus et peccator). - Zur Umkehr aus der S\u00fcnde vgl. Metanoia, Reue, Taufe, Bu\u00dfsakrament. kthW","link":"https:\/\/www.ifit.li\/?tag=suende","name":"S\u00fcnde","slug":"suende","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/60","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=60"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}