{"id":44,"count":11,"description":"Ehe soziologisch: eine feste Geschlechtsgemeinschaft mit sich wandelnden Strukturen; Ehe im katholischen Verst\u00e4ndnis: die rechtm\u00e4\u00dfige Verbindung von Mann und Frau zur dauernden leiblichen und geistigen Gemeinschaft.\r\n\r\nI. Im Alten Testament ist die Ehe als einzige soziologische Institution ausdr\u00fccklich im Sch\u00f6pferwillen Gottes verankert, ein Verh\u00e4ltnis zweier geschlechtsverschiedener, gleichwertiger und gleichberechtigter Menschen, eine heilige Ordnung von Anfang an (Gn 1,27f); in der altestamentlichen Bundesgeschichte steht sie \u2013 nicht auf der H\u00f6he des Sch\u00f6pfungsberichtes \u2013 ganz im Dienst der Erhaltung und Weiterf\u00fchrung der Sippe des Mannes. So ist die Eheschlie\u00dfung Sache der Familienoberh\u00e4upter, ihr Zweck ist die Erzeugung von Nachkommenschaft. Die \u201eb\u00fcrgerlich\u201c rechtlich-moralischen Forderungen sind f\u00fcr Mann und Frau verschieden; der Mann kann nur die fremde, die Frau nur die eigene Ehe brechen. Eine Verpflichtung zur Einehe kennt das Alte Testament nicht. Die Ehe ist dort grunds\u00e4tzlich l\u00f6sbar. Ehelosigkeit ist dem Alte Testament als Lebensform fremd.\r\n\r\nII. Im Neuen Testament schl\u00e4gt sich das spezifisch neutestamentliche Verst\u00e4ndnis darin nieder, da\u00df Jesus die Ehe als von Gott gewirkte, auf Dauer angelegte Einheit von einem Mann und einer Frau erkl\u00e4rt und der Frau darin die vom Sch\u00f6pfungsbericht intendierte gleichberechtigte Stellung wiedergibt (Mk 10, 6-9; Mt 19, 4ff). Als Lebensform dieser Weltzeit kann Heiraten den Menschen jedoch vor Gott schuldig machen, wenn er dar\u00fcber den in Jesus ergangenen und bleibenden Anruf Gottes \u00fcberh\u00f6rt (Lk 14,20; siehe evangelische R\u00e4te). Beide Linien werden in den Apostelbriefen weitergef\u00fchrt (vgl. vor allem 1 Kor 7). Dar\u00fcber hinaus wird der heilsgeschichtliche Ort der Ehe im Vergleich zu der Ehe Jesu Christi mit der Kirche gefunden (siehe Brautsymbolik, siehe Kirche); weil die Ehe das Abbild der gnadenvollen Verbindung Jesu Christi mit der Kirche ist (Eph 5,32), ist sie selbst schon grunds\u00e4tzlich als wirksame zeichenhafte Gegenwart des g\u00f6ttlichen Gnadenwillens gesehen (das heisst Sakrament). Es ist nicht zu leugnen, da\u00df die beiden christlichen Haltungen zur Ehe durch Paulus und seine sp\u00e4tere Interpretation ungleichgewichtig \u00fcberliefert wurden, so da\u00df sich die theologische Tradition (unter dem Einflu\u00df des Augustinus) weitgehend der Frage zuwandte, inwieweit Ehe gerechtfertigt sein k\u00f6nnte.\r\n\r\nIII. Lehre der Kirche. Jede g\u00fcltige Ehe unter zwei Getauften (also auch zwischen zwei nichtkatholischen Christen, nicht dagegen zwischen einem katholischen Getauften, der die katholische Eheschlie\u00dfungsform nicht beachtet, und einem Nichtkatholiken) ist ein Sakrament (DS 718 761; DGL: DS 1514; NR 356). Dies beruht darauf, da\u00df die liebende Lebenseinheit zweier Personen eine Beziehung zu Gott als Grund und Ziel impliziert, da\u00df jede Gemeinschaft von Christen in Jesus Christus eine Vergegenw\u00e4rtigung Jesu und damit auch der Kirche einschlie\u00dft (Mt 18,20), so da\u00df dies in besonderem Ma\u00df von der Ehe als der kleinsten, aber totalen Gemeinschaft in Jesus Christus gesagt werden mu\u00df. Spender des Ehesakramentes sind die Brautleute selbst, insofern sie in g\u00fcltiger Weise ihren Ehewillen \u00e4u\u00dfern. Der f\u00fcr Katholiken im Normalfall zur G\u00fcltigkeit geforderte Priester (bzw. Diakon) waltet als Amtszeuge, der einen kirchlichen Jurisdiktionsakt vornimmt. Zum g\u00fcltigen Empfang dieses Sakramentes sind alle Getauften f\u00e4hig, sofern keine Ehehindernisse vorliegen (siehe unten). \u201eNat\u00fcrliche\u201c Ehe ist \u2013 im Gegensatz zur sakramentalen Ehe \u2013 die g\u00fcltige Ehe zwischen zwei Ungetauften. Wesentliche Wirkung des g\u00fcltigen Eheabschlusses ist das Eheband, das seiner Natur nach lebensl\u00e4nglich und ausschlie\u00dflich ist; eine unter Christen g\u00fcltig geschlossene und vollzogene Ehe kann nur durch den Tod gel\u00f6st werden. (Unbestreitbar hat die Kirche die Pflicht, die Best\u00e4ndigkeit der Ehe und die Treue der Eheleute zueinander im Geist Jesu zu f\u00f6rdern. Sie hat daneben allerdings auch die Pflicht, sich im Geist Jesu, das heisst ohne Achtung und Diskriminierung, um Geschiedene und unter Umst\u00e4nden Wiederverheiratete zu k\u00fcmmern. Die Kirche hat keine M\u00f6glichkeit, \u00fcber die Gr\u00fcnde des Scheiterns einer Ehe oder \u00fcber den Tatbestand ihrer Zerr\u00fcttung ein Urteil abzugeben.) Aus dem Eheband ergibt sich die gegenseitige Ehepflicht zur Treue, zur Lebensgemeinschaft, zur gegenseitigen geistigen und leiblichen Hilfe. Das II. Vatikanum versuchte, von einer juristischen und biologistischen Sicht der Ehe wegzukommen, indem es die Ehe als Bund und Teilhabe an der Liebe Jesu zur Kirche beschrieb und die Liebe der Ehegatten als Ehegut neben der Zeugung von Kindern hervorhob (Kirche\/Welt 47-51; Kirche 11).\r\n\r\nIV. Katholische Ehegesetzgebung (CIC can. 1012-1143). Weil der Ehevertrag unter Christen Sakrament ist, Vertrag und Sakrament aber nicht voneinander getrennt werden k\u00f6nnen, beansprucht die Kirche allein die Ehegesetzgebung und Ehegerichtsbarkeit. F\u00fcr die g\u00fcltige Eheschlie\u00dfungsform eines katholischen Christen ist die aktive Assistenz des Pfarrers des Eheschlie\u00dfungsortes (oder seines Delegierten) und wenigstens zweier Zeugen erforderlich. In Todesgefahr (oder sonst innerhalb Monatsfrist) ist auch eine vor zwei Zeugen geschlossene Ehe g\u00fcltig, wenn ein trauungsberechtigter Priester (bzw. Diakon) ohne schwere Nachteile nicht beizubringen ist (au\u00dferordentliche Eheschlie\u00dfungsform). Diese kirchliche Eheschlie\u00dfungsform bindet alle, die in der katholischen Kirche getauft oder zu ihr zur\u00fcckgekehrt sind, auch wenn einer nach der Taufe (oder R\u00fcckkehr) von ihr abgefallen ist; auch wenn der katholisch Getaufte die Ehe (nach erlangter Dispens) mit einem Andersgl\u00e4ubigen schlie\u00dft. Eine gew\u00f6hnliche Vorbereitung zur Ehe bilden (Verl\u00f6bnis,) Brautunterricht und Aufgebot, f\u00fcr die im allgemeinen der Pfarrer der Braut anzugehen ist. Die Dispens von Ehehindernissen (aufschiebende: einfache Gel\u00fcbde, gesetzliche Verwandtschaft, Bekenntnisverschiedenheit; trennende: Eheunm\u00fcndigkeit, geschlechtliches Unverm\u00f6gen, ein noch bestehendes Eheband, Religionsverschiedenheit, h\u00f6here Weihen, feierliche Ordensgel\u00fcbde, Blutsverwandtschaft, qualifizierter Ehebruch u.a.) mu\u00df \u2013 soweit \u00fcberhaupt m\u00f6glich \u2013 vor der Eheschlie\u00dfung von Seiten des zust\u00e4ndigen Bischofs geschehen. Zur Ehekonsenserkl\u00e4rung (Jawort, siehe Consensus) von Seiten der Brautleute kommt von Seiten der Kirche seit den \u00e4ltesten Zeiten die Eheeinsegnung, Trauung; sie soll m\u00f6glichst innerhalb der Brautmesse erfolgen.\r\n\r\nV. Kirchlich-eheliche Existenz. Die personale Liebe, die sich in der Ehe ihre Erscheinung schafft, ist in der jetzigen Heilsordnung faktisch von der Gnade Gottes getragen, die von sich aus diese Liebe immer heilt, erh\u00f6ht und auf die Unmittelbarkeit Gottes hin \u00f6ffnet. Das geschieht nicht erst dann, wenn diese Liebe der ausdr\u00fccklichen Botschaft des Evangeliums begegnet, also nicht erst in einer kirchlich-sakramentalen Ehe. In der Perspektive von Eph 5 l\u00e4\u00dft sich sagen: Die Einheit zwischen Jesus Christus und der Kirche (der von Gott geliebten Menschheit) ist der bewirkende Grund der Einheit zwischen Mann und Frau im voraus zu der Frage, ob und wieweit diese bewirkte Einheit auch alle Eigent\u00fcmlichkeiten der bewirkenden Einheit an sich tr\u00e4gt. Die bewu\u00dfte christliche Ehe ist dann die wirkliche Repr\u00e4sentanz f\u00fcr die einende Liebe Gottes in Jesus Christus zur Menschheit; in dieser Ehe wird die Kirche in der Form der kleinsten, aber wahren Einzelkirche in der Welt pr\u00e4sent. Dieser Zeichenfunktion gilt die besondere Gnade der Ehe als Sakrament.\r\n\r\nkthW","link":"https:\/\/www.ifit.li\/?tag=ehesakrament","name":"Ehesakrament","slug":"ehesakrament","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/44","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=44"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}