{"id":32,"count":9,"description":"Kritik (Kriteriologie) stammt vom griechischen \u00abkr\u00edsis\u00bb (Verb: kr\u00ednein) = Streit, Zwiespalt; Beurteilung, (gerichtliche) Untersuchung. Beurteilt oder untersucht wird hier die F\u00e4higkeit unserer Erkenntnis, die Wahrheit zu erfassen (Nominaldefinition). Die Kritik ist jener Teil der Metaphysik, der die F\u00e4higkeit unserer Erkenntnis, das Sein und damit die Wahrheit zu erfassen, untersucht. Kurz gesagt: Die Kritik ist die Wissenschaft von der Wahrheit unserer Erkenntnis (Realdefinition). Das Problem der Kritik ist also der Wert unserer Erkenntnis, die M\u00f6glichkeit der Wahrheitserkenntnis. Es konkretisiert sich etwa in den Fragen: Wie weiss ich, dass ausserhalb von mir die Welt der Dinge existiert? Wie weiss ich, dass die Dinge wirklich so sind, wie ich es mir denke?\r\nDer Ursprung des Problems: Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass die Menschen oft \u00fcber die gleiche Sache zahlreiche und ganz verschiedene Auffassungen haben, die sich nicht selten gegenseitig ausschliessen. Angesichts dieser Tatsache kann es nicht verwundern, dass die Frage nach dem Wert unserer Erkenntnis schon seit der Antike Gegenstand der Diskussion ist. Es handelt sich hier gewissermassen um ein naturgegebenes Problem, dessen Beantwortung f\u00fcr uns und unser Denken von grundlegender Bedeutung ist.\r\n\r\nPhilosophiegeschichtliche Hinweise mit Bezug auf das angesprochene Problem der Kritik\r\n\r\nIn der Antike m\u00fcssen wir vor allem die Skepsis der Sophisten und die entsprechende Reaktion der klassischen griechischen Philosophie in ihren Hauptvertretern Sokrates, Plato und Aristoteles erw\u00e4hnen. Ebenso sei Sextus Empiricus, der \u00abKlassiker des Skeptizismus\u00bb, genannt. Die mittelalterlichen Geister waren etwas \u00abrobuster\u00bb, so dass der Zweifel am Wert unserer Erkenntnis sie im allgemeinen nicht allzu stark plagte. Gleichwohl befassten sich auch Thomas von Aquin und die Scholastiker mit kriteriologischen Fragen. Wenngleich sie mehr am Rande des Denkens in Erscheinung traten, regten sich doch auch im Mittelalter skeptizistische Tendenzen, wie aus dem Beispiel des fr\u00fch- und des sp\u00e4tmittelalterlichen Nominalismus ersichtlich ist. In der modernen Philosophie wurde das Erkenntnisproblem seit Descartes und Kant stark in den Vordergrund ger\u00fcckt. Die Erkenntnistheorie Kants, wie wir sie vor allem in dessen \u00abKritik der reinen Vernunft\u00bb (1. Auflage: 1781) dargestellt finden, \u00fcbt bis in die Gegenwart hinein ihren Einfluss auf das philosophische Denken aus. Man kann ohne \u00dcbertreibung sagen, dass das Erkenntnisproblem zum Hauptproblem der modernen Philosophie geworden ist. Aus \"Von der Philosophie f\u00fcrs Leben lernen\", S. 109, Dr. Gion Darms, 2012.\r\n","link":"https:\/\/www.ifit.li\/?tag=kritik","name":"Kritik","slug":"kritik","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/32","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=32"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}