{"id":14,"count":66,"description":"Liebe ist das Wort, unter dem das Christentum jenen radikalen, den ganzen Menschen, so wie er von Gott tats\u00e4chlich gemeint und angerufen ist, auf Gott hin integrierenden und so ihn in die Gnade Gottes (Rechtfertigung) und das Heil stellenden freien Wesensvollzug des Menschen begreift, wie dieser als Entgegennahme der freien und restlosen Selbstmitteilung Gottes in der Kraft dieser Selbstmitteilung geschieht. Da dieser Wesensvollzug auf diesen sich selbst schenkenden Gott hin geschieht und dialogischen und antwortenden Charakter hat, wird auch Gott selbst als die Liebe (1 Jo 4,8) begriffen. Insofern das Wesen des Menschen (personale) Selbsttranszendenz auf das H\u00f6here (als Person) ist, ist dieser Wesensvollzug selbstlose Liebe des Wohlwollens (amor benevolentiae im Unterschied zur Liebe zu einem Gut, das der [berechtigten] Selbstbehauptung als Moment oder Mittel dient: begehrende Liebe [amor concupiscentiae]). Insofern diese sich selbst in Gott hineinvergebende Liebe frei von Gott mit dem Menschen mitgeschaffen ist, in ihrem Ankommenk\u00f6nnen in der Innersten Intimit\u00e4t Gottes (als Kindes- und Freundesliebe im Unterschied zur Liebe des Knechtes zu seinem Herrn) nur erm\u00f6glicht wird durch die zuvorkommende Selbstgabe Gottes an den Menschen und, um dieser \u201ekongenial\u201d wirklich entsprechen zu k\u00f6nnen (\u201ew\u00fcrdig\u201d zu sein), von dieser selbst getragen werden mu\u00df und dabei immer auch eine \u00dcberwindung der schuldhaften Selbstigkeit des Menschen durch Gott bedeutet, ist solche Liebe Gnade, \u201eeingegossene Tugend\u201d, die mit der Rechtfertigung untrennbar verbunden ist. Insofern die Liebe des Menschen zu Gott an der selbstlos sich schenkenden (also sich nicht am vorgegebenen \u201eIdeal\u201d entz\u00fcndenden: Eros), zum Niedrigen sich selbstverschwenderisch herablassenden Liebe Gottes (Agape == Caritas) h\u00e4ngt und in sich den von Gott geliebten Mitmenschen in die Teilnahme an der Liebe Gottes zu ihm hineinnimmt, mu\u00df auch sie als Agape verstanden werden. Weil sie der totale, alles integrierende Grundakt des Menschen ist, ist sie einerseits das Ganze dessen, was als Heilstat vom Menschen verlangt wird, mu\u00df aber anderseits selbst sich in die plurale F\u00fclle der echt untereinander und von der Liebe verschiedenen geistigen Vollz\u00fcge (Glaube, Hoffnung, Reue, Gerechtigkeit usw.) auslegen, die von der Liebe durchformt, \u201einformiert\u201d, ihre Greifbarkeit, ein Kriterium ihrer Echtheit und Weisen ihres Wachstums sein k\u00f6nnen, ohne darum einfach schlechthin mit ihr identisch zu sein und so ohne ihr Dasein absolut eindeutig manifest zu machen, und die (als noch nicht von der Liebe informierte, [\u201einforme\u201c] Tugenden) im personal-geschichtlichen Werden des Menschen als noch nicht totales Engagement der Liebe auch vorausgehen und ihren Vollzug vorbereiten k\u00f6nnen. Die Liebe zum Mitmenschen, soweit man sie von der N\u00e4chstenliebe unterscheiden kann und mu\u00df, ist der Wille zu einem personalen Gewollten als einem Guten (Wert) mit dem Ziel, dieses zu eigen zu bekommen und Freude daran zu haben. Diese Liebe ist untrennbar von dem Wunsch, den Geliebten in sich selbst zur Vollendung seines Wesens zu bringen; indem der Liebende dies versucht, \u00fcbernimmt er die unendliche Aufgabe, sich selbst zu verwirklichen (Geist). In beidem erweist sich die Liebe als die Weise, wie die Unendlichkeit in endlicher Gestalt aufscheint. Damit ist auch gegeben, da\u00df menschliche Liebe sich n\u00fcchtern und real mit den Grenzen des Geliebten bescheiden mu\u00df und in ihrer notwendigen, nicht auszumerzenden Hoffnung auf unendliche Erf\u00fcllung die Entt\u00e4uschung nicht den Geliebten entgelten l\u00e4\u00dft. Gerade vom Christentum her ist au\u00dferdem der \u00d6ffentlichkeitscharakter der Liebe und ihre weltver\u00e4ndernde Kraft nicht zu \u00fcbersehen. Das Christentum behauptet nicht, au\u00dferhalb seiner, etwa im Atheismus, werde keine Liebe realisiert. Dies anzunehmen, verbietet ein inneres Verst\u00e4ndnis der wahren Einheit (was nicht hei\u00dft: Einerleiheit) von Gottesliebe und N\u00e4chstenliebe, das die Liebe au\u00dferhalb des Christentums auch von dem Wissen aus sieht, da\u00df eine wirklich absolute N\u00e4chstenliebe schon einen (unthematischen) Theismus und implizite Liebe zu Gott einschlie\u00dft. Gerade darum tendiert das Christentum dahin, da\u00df Gottesliebe als das verborgene und h\u00f6here Geheimnis der menschlichen Existenz auch thematisch wird. Der heilsgeschichtliche H\u00f6hepunkt und die letzte Garantie der Einheit von Gottes- und N\u00e4chstenliebe wird erreicht in der Liebe zu Jesus Christus in seiner Einheit von Gott und Mensch. Er wird in jeder tathaften Liebe zu einem Menschen mitgeliebt (Mt 25, 34-40), so da\u00df sich in Einheit der Liebe zu ihm und dem Mitmenschen das Geschick jedes Menschen entscheidet, auch wo diese Einheit nicht gewu\u00dft wurde (Mt 25,37 ff). Das wird besser verst\u00e4ndlich, wenn man bedenkt, da\u00df a) echte Liebe zu einem bestimmten Menschen den Menschen aufschlie\u00dft zur Liebe aller, und b) die dialogisch responsorische Liebe zu einem endlichen, unverl\u00e4\u00dflichen, eventuell feindlichen Menschen einen Menschen, der zugleich Gott ist, als Gegenwart oder erhoffte Zukunft als Grund und Garanten mitbejaht, soll sie die Unbedingtheit haben, mit der sie sich durch die Gnade vollziehen soll. kthW","link":"https:\/\/www.ifit.li\/?tag=liebe","name":"Liebe","slug":"liebe","taxonomy":"post_tag","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags\/14","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/tags"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/taxonomies\/post_tag"}],"wp:post_type":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts&tags=14"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}