{"id":11397,"date":"2023-08-20T17:33:03","date_gmt":"2023-08-20T15:33:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ifit.li\/?p=11397"},"modified":"2024-08-21T16:43:55","modified_gmt":"2024-08-21T14:43:55","slug":"der-weg-zurueck-zu-gott-ist-die-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ifit.li\/?p=11397","title":{"rendered":"Der Weg zur\u00fcck zu Gott ist die Liebe"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aus der 83. Predigt \u00fcber das Hohelied vom hl. Bernhard von Clairvaux <\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sermones super Cantica Canticorum (Predigten \u00fcber das Hohelied)<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Jeder Mensch ist ein unzerst\u00f6rbares Ebenbild Gottes.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"518\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.ifit.li\/wp-content\/uploads\/Pest-Christus-um-1630-in-der-Pfarr-und-Wallfahrtskirche-St.-Nikolaus-AT-6884-Damuels-Vorarlberg-518x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11416\" srcset=\"https:\/\/www.ifit.li\/wp-content\/uploads\/Pest-Christus-um-1630-in-der-Pfarr-und-Wallfahrtskirche-St.-Nikolaus-AT-6884-Damuels-Vorarlberg-518x1024.jpg 518w, https:\/\/www.ifit.li\/wp-content\/uploads\/Pest-Christus-um-1630-in-der-Pfarr-und-Wallfahrtskirche-St.-Nikolaus-AT-6884-Damuels-Vorarlberg-152x300.jpg 152w, https:\/\/www.ifit.li\/wp-content\/uploads\/Pest-Christus-um-1630-in-der-Pfarr-und-Wallfahrtskirche-St.-Nikolaus-AT-6884-Damuels-Vorarlberg-768x1517.jpg 768w, https:\/\/www.ifit.li\/wp-content\/uploads\/Pest-Christus-um-1630-in-der-Pfarr-und-Wallfahrtskirche-St.-Nikolaus-AT-6884-Damuels-Vorarlberg-778x1536.jpg 778w, https:\/\/www.ifit.li\/wp-content\/uploads\/Pest-Christus-um-1630-in-der-Pfarr-und-Wallfahrtskirche-St.-Nikolaus-AT-6884-Damuels-Vorarlberg-1037x2048.jpg 1037w, https:\/\/www.ifit.li\/wp-content\/uploads\/Pest-Christus-um-1630-in-der-Pfarr-und-Wallfahrtskirche-St.-Nikolaus-AT-6884-Damuels-Vorarlberg.jpg 1134w\" sizes=\"auto, (max-width: 518px) 100vw, 518px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pest-Christus um 1630 \/ 40 in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Nikolaus AT-6884 Dam\u00fcls (Vorarlberg, \u00d6sterreich)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Mensch hat sich von Gott entfremdet und soll zu ihm, und damit zu seinem eigenen tiefsten Wesen, zur\u00fcckkehren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre einzige Sorge mu\u00df sein, dem Adel ihrer Natur durch ein Leben aus geb\u00fchrend edler Gesinnung zu entsprechen und der g\u00f6ttlichen Auszeichnung, die ihr von ihrem Ursprung her eigen ist, nach Kr\u00e4ften durch die Farbe ihres ganzen Tuns und Wollens zur Entfaltung in Sch\u00f6nheit und Leuchtkraft zu verhelfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Weshalb sollte ihr Bem\u00fchen eingeschlafen sein? Sich M\u00fche geben zu k\u00f6nnen, ist ein gro\u00dfes Geschenk der Natur. Wenn dieses Geschenk nicht recht zur Erf\u00fcllung der Aufgabe gen\u00fctzt wird, f\u00fcr die es verliehen worden ist, wird unsere ganze \u00fcbrige Natur verworren und \u00fcberzieht sich mit dem Rost des Alterns und Verwitterns. Das ist eine Beleidigung ihres Sch\u00f6pfers. Aus diesem Grund wollte Gott selbst als unser Sch\u00f6pfer, da\u00df in unserer Seele unverlierbar das Mal der Verwandtschaft mit seiner Gr\u00f6\u00dfe erhalten bliebe: damit sollte unsere Seele f\u00fcr immer eine Erinnerung an das WORT in sich tragen, von der sie allzeit ermahnt w\u00fcrde, oder durch die sie immer beim WORT verharre oder zu ihm zur\u00fcckkehre, wenn sie von ihm fortgegangen sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Seele geht von Gott nicht fort, indem sie sich von einem Ort an den andern versetzt oder Schritte mit ihren F\u00fc\u00dfen tut, sondern sie geht in der Weise fort, wie es einem geistigen Wesen eigen ist, sich zu bewegen: indem sie sich mit ihrem Liebesverlangen, oder besser ihrem Liebesversagen von sich selbst weg auf etwas Schlechteres hin wendet. Sie wird dann durch ihre schlechte Lebensart sich selbst entfremdet und l\u00e4\u00dft sich verkommen. Dieses Sich-selbst-un\u00e4hnlich- Werden bedeutet allerdings nicht, da\u00df ihre Natur dadurch aufgehoben wird, sondern es ist ein Versagen an dieser Natur. Durch diesen Defekt wird nur um so deutlicher, wie gut die Natur an sich ist, und wie verunstaltet, wenn sie davon befallen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Weg der R\u00fcckkehr und Angleichung an Gott: die Liebe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch nun zur R\u00fcckkehr der Seele, zu ihrer Hinwendung zum WORT, durch das sie erneuert werden und dem sie gleichf\u00f6rmig werden soll. Worin? In der Liebe. Denn es hei\u00dft: \u00abSeid Nachahmer Gottes, wie auch vielgeliebte S\u00f6hne; geht euren Weg in der Liebe, wie auch Christus euch geliebt hat\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Epheser5%2C1\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Epheser5%2C1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eph 5,1<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. Eine solche Gleichf\u00f6rmigkeit verm\u00e4hlt die Seele mit dem WORT. Von Natur aus ist sie ja bereits dem WORT ebenbildlich, und sie soll ihm auch ebenbildlich werden dem Willen nach, indem sie in derselben Weise liebt, wie sie geliebt wird. Wenn sie also vollkommen liebt, kann man sagen: sie ist verm\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist k\u00f6stlicher als diese Gleichf\u00f6rmigkeit? Was ist erstrebenswerter als die Liebe? Sie schenkt dir die M\u00f6glichkeit, Seele, \u00fcber das Unbefriedigende, das die Menschen lehren, hinaus durch sich selbst voll Vertrauen zum WORT selbst vorzusto\u00dfen; das WORT st\u00e4ndig zu umarmen und das WORT aus n\u00e4chster N\u00e4he zu durchforschen und \u00fcber alles zu befragen. Und je mehr dein Verstand zu fassen vermag, desto k\u00fchner wird deine Sehnsucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>In der geistlichen Verm\u00e4hlung mit Gott weicht die Furcht vor der alles beherrschenden Liebe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist wirklich ein geistliches und heiliges Eheb\u00fcndnis. Mit \u00abB\u00fcndnis\u00bb sage ich zu wenig: es ist ein Einssein in der Umarmung. Ja, es ist eine Umarmung, denn zwei wollen das gleiche und wollen das gleiche nicht und werden dadurch ein Geist (vgl. <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Korinther6%2C17\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Korinther6%2C17\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">1 Kor 6,17<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist im \u00fcbrigen nicht zu bef\u00fcrchten, die Ungleichheit der Partner beeintr\u00e4chtige in irgendeiner Hinsicht den Einklang des Wollens, denn die Liebe kennt keine Scheu. Das Wort \u00abLiebe\u00bb stammt vom Wort \u00ablieben\u00bb, nicht vom Wort \u00abehren\u00bb. Wer Furcht, Scheu, Angst oder Staunen gegen\u00fcber jemandem hat, mag diesen ehren; bei einem Liebenden h\u00f6rt all das auf. Die Liebe hat an sich selbst genug. Wo die Liebe einzieht, rei\u00dft sie alle anderen Empfindungen und Strebungen an sich und nimmt sie gefangen. Deshalb liebt die Seele, die liebt, und sie kennt nichts anderes mehr als lieben. Und er, dem zu Recht Ehre geb\u00fchrt, zu Recht Scheu und Bewunderung, liebt es noch mehr, geliebt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott und die Seele sind Br\u00e4utigam und Braut. Was suchst du in dieser br\u00e4utlichen Beziehung eine andere Pflicht und Verbindung au\u00dfer der, geliebt zu werden und zu lieben? Diese Verbindung ist sogar st\u00e4rker als das, was die Natur besonders eng verkn\u00fcpft hat, das Band zwischen Eltern und Kindern. \u00abDeshalb\u00bb, so hei\u00dft es, \u00abwird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seine Braut umarmen\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Matth%C3%A4us19%2C5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mt 19,5<\/a>). Du siehst, diese Zuneigung, die Br\u00e4utigam und Braut beseelt, ist nicht nur st\u00e4rker als die \u00fcbrigen Neigungen, sondern sie ist sogar st\u00e4rker als sie selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. La\u00df nun noch dazukommen, da\u00df dieser Br\u00e4utigam nicht nur ein Liebender, sondern die Liebe in Person ist. Ist er nicht auch die Ehre in Person? Mag das behaupten, wer will; ich habe das nirgends gelesen. Gelesen habe ich jedoch: \u00abGott ist die Liebe\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Johannes4%2C16\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">1 Joh 4,16<\/a>); da\u00df Gott die Ehre sei, habe ich nicht gelesen. Das soll nicht hei\u00dfen, Gott wolle keine Ehre; er hat ja gesagt: \u00abWenn ich der Vater bin, wo ist da meine Ehre?\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Maleachi1%2C6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mal 1,6<\/a>). Tats\u00e4chlich spricht der Vater so. Aber wenn er sich als Br\u00e4utigam vorstellt, \u00e4ndert er, glaube ich, seine Stimme und sagt: \u00abWenn ich der Br\u00e4utigam bin, wo ist da meine Liebe?\u00bb Denn vorher hat er auch das gesagt: \u00abWenn ich der Herr bin, wo ist da meine Furcht?\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Maleachi1%2C6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mal 1,6)<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verlangt also Gott, als Herr gef\u00fcrchtet, als Vater geehrt und als Br\u00e4utigam geliebt zu werden. Was ist das Vorz\u00fcglichste davon, was \u00fcberragt alles? Nat\u00fcrlich die Liebe. Ohne die Liebe kreist die Furcht um die Strafe, bleibt die Ehre ohne Gnade. Die Furcht ist knechtisch, solange sie nicht von der Liebe an der Hand gef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und eine Ehrerbietung, die nicht aus der Liebe kommt, ist keine Ehrerbietung, sondern Kriecherei. Zwar geb\u00fchren \u00aballein Gott Ehre und Herrlichkeit\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Timotheus1%2C17\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Timotheus1%2C17\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">1 Tim 1,17<\/a>); aber keines von beiden nimmt Gott an, wenn es nicht mit dem Honig der Liebe gew\u00fcrzt ist. Die Liebe gen\u00fcgt sich selbst, hat an sich selbst und um ihrer selbst willen Gefallen. Sie ist f\u00fcr sich selbst Verdienst, ist Lohn. Die Liebe sucht keinen Grund, keine Frucht au\u00dferhalb ihrer selbst: wer die Liebe verwirklicht, der erntet im Verwirklichen ihre Frucht. Ich liebe, weil ich liebe; ich liebe, um zu lieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Liebe ist die einzige Haltung, mit der das Gesch\u00f6pf dem Sch\u00f6pfer wirklich entsprechen kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas Gro\u00dfes ist die Liebe, wenn sie zu ihrem Ausgangspunkt zur\u00fcckeilt, wenn sie wieder bei ihrem Ursprung ist, wenn sie in lebendiger Beziehung zu ihrer Quelle steht und allzeit aus ihr die st\u00e4ndig flie\u00dfenden Wasser sch\u00f6pft. Unter allen Regungen, Empfindungen und Strebungen der Seele ist die Liebe die einzige Kraft, mit der das Gesch\u00f6pf &#8211; wenn auch nicht von gleich zu gleich &#8211; seinem Sch\u00f6pfer entsprechen oder jedenfalls seine Zuneigung mit einer \u00e4hnlichen Haltung erwidern kann. Wenn mir dagegen zum Beispiel Gott z\u00fcrnt, kann da meine Reaktion ein \u00e4hnlicher Zorn sein? Keineswegs. Meine Reaktion wird Furcht sein, wird Zittern sein, wird Bitte um Vergebung sein. Und ebenso: wenn er mich tadelt, kann ich ihm nicht mit Tadel erwidern, denn er wird mir gegen\u00fcber recht behalten. Und wenn er mich richtet, kann ich ihn nicht auch richten, sondern nur anbeten. Wenn er mich rettet, erwartet er nicht von mir, da\u00df ich ihn auch rette. Er ist auch nicht darauf angewiesen, da\u00df ihm jemand seinerseits Freiheit schenkt, wo er doch alle befreit. Wenn er der Herr ist, mu\u00df ich ihm dienen; wenn er befiehlt, mu\u00df ich gehorchen und nicht auch umgekehrt von ihm einen Dienst oder Gehorsam verlangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt siehst du, wie anders das mit der Liebe ist. Denn wenn Gott liebt, dann will er nichts anderes, als <em>geliebt<\/em> werden. Er liebt nur mit einer einzigen Absicht: er m\u00f6chte geliebt werden; denn er wei\u00df, da\u00df solche, die sich lieben, durch diese Liebe selbst gl\u00fccklich sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Liebe der Braut sucht nicht nach Lohn: ihr Lohn ist die Liebe selbst.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. Die Liebe ist etwas Gro\u00dfes. Aber es gibt in ihr Stufen. Die Braut steht auf der obersten Stufe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn auch die S\u00f6hne lieben, aber sie denken an die Erbschaft. Sie leben in der Furcht, diese Erbschaft durch irgendeinen Umstand zu verlieren, und deshalb ist in ihnen mehr Furcht vor ihm, von dem sie die Erbschaft erwarten, und ihre Liebe ist geringer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweifelhaft ist mir eine Liebe, deren Antrieb nur die Hoffnung ist, an etwas anderes heranzukommen. Eine Liebe, die beim Schwinden dieser Hoffnung auf etwas anderes entweder erlischt oder geringer wird, ist eine kranke Sache. Eine solche Liebe, die auf etwas anderes aus ist, ist unlauter. Die lautere Liebe lebt nicht vom Lohn. Die lautere Liebe sch\u00f6pft ihre Kr\u00e4fte nicht aus der Hoffnung auf einen Gewinn au\u00dferhalb ihrer selbst, und sie leidet keinen Schaden, wenn solche Aussichten schwinden. Das ist die Liebe der Braut, denn so ist die Braut, wer immer sie ist. Die Habe und Hoffnung der Braut ist einzig und allein die Liebe. An ihr hat die Braut \u00dcberflu\u00df. und das gen\u00fcgt dem Br\u00e4utigam. Es sucht nichts anderes, und sie hat nichts anderes. Deshalb ist er der Br\u00e4utigam, und sie ist die Braut. Diese Liebe ist dem Br\u00e4utigam und der Braut vorbehalten, und niemand anderer reicht an sie heran, nicht einmal der Sohn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seinen S\u00f6hnen ruft Gott zu: \u00abWo ist meine Ehre?\u00bb (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Maleachi1%2C6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mal 1,6<\/a>), und nicht: \u00abWo ist meine Liebe?\u00bb, denn diesen Vorzug beh\u00e4lt er der Braut vor. Dem Menschen wird auch befohlen, seinen Vater und seine Mutter zu ehren, und dabei ist nicht vom Lieben die Rede: nicht weil die Kinder ihre Eltern nicht lieben sollten, aber weil viele Kinder dazu neigen, ihre Eltern eher zu ehren als zu lieben. Die Ehre des K\u00f6nigs mag das Urteil lieben (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Psalm99%2C4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ps 99,4<\/a>); aber die Liebe des Br\u00e4utigams, ja die Liebe in Person, der Br\u00e4utigam, sucht einzig und allein den Austausch und das Bleiben in der Liebe. So kann die Braut ihm seine Liebe erwidern. Und k\u00f6nnte die Braut, die Braut der Liebe, etwa nicht lieben? K\u00f6nnte die Liebe anders als sich lieben lassen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>In der Liebe wird die Seele mit dem WORT verm\u00e4hlt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. So gibt sie mit Recht alle anderen Strebungen auf und widmet sich einzig und v\u00f6llig der Liebe, denn sie soll der Liebe entsprechen, indem sie ihr Liebe zur\u00fcckschenkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn sich die Braut ganz verfl\u00fcssigt zu einem Str\u00f6men der Liebe, wieviel ist das im Vergleich zum ewigen Strom, der aus der Quelle der Liebe flie\u00dft? Die Liebende und die Liebe, die Seele und das WORT, die Braut und der Br\u00e4utigam, der Sch\u00f6pfer und das Gesch\u00f6pf flie\u00dfen nicht in gleicher F\u00fclle, sondern sie lassen sich vergleichen mit einem Durstigen und einer Quelle. Was bedeutet das? Wird zunichte, wird v\u00f6llig inhaltslos, was in der Braut vorgeht: ihr Gel\u00f6bnis zur Verm\u00e4hlung, ihre Sehnsucht und ihr Seufzen, ihre gl\u00fchende Liebe, ihre k\u00fchne Zuversicht, weil sie nicht als Ebenb\u00fcrtige mit dem Riesen laufen kann, nicht an S\u00fc\u00dfe es mit dem Honig gleichtun kann, nicht an Milde dem Lamm, an makellosem Leuchten der Lilie, an Strahlkraft der Sonne, an Liebe dem, der die Liebe ist? Nein. Denn mag auch das Gesch\u00f6pf weniger lieben, weil es kleiner ist, so fehlt ihm doch an der F\u00fclle der Liebe nichts, wenn es mit seinem ganzen Wesen liebt. Und deshalb habe ich gesagt: <em>so<\/em> lieben, hei\u00dft verm\u00e4hlt worden sein. Denn wenn die Seele so vollkommen liebt, kann es gar nicht anders sein, als da\u00df sie ebenso vollkommen geliebt wird; und wenn zwei ganz \u00fcbereinstimmen, ist das eine v\u00f6llige und vollkommene Verm\u00e4hlung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es besteht kein Zweifel, da\u00df die Seele vom WORT zuerst und mit gr\u00f6\u00dferer Liebe geliebt wird. So kommt ihr das WORT mit der Liebe zuvor und besiegt sie. Selig, die es verdient, von solcher k\u00f6stlicher Segnung \u00fcberrundet zu werden! Selig, der es geschenkt ist, eine Umarmung von solcher S\u00fc\u00dfe erfahren zu d\u00fcrfen! Das ist nichts anderes als <strong>die heilige und keusche Liebe<\/strong>, <strong>die s\u00fc\u00dfe und k\u00f6stliche Liebe<\/strong>, die heitere, weil so lautere Liebe, die gegenseitige Liebe, die innige und starke, die zwei Wesen nicht in einem Fleisch, sondern in einem Geist verbindet; die zwei nicht mehr als zwei l\u00e4\u00dft, sondern eins macht, so wie Paulus sagt: \u00abWer Gott umarmt, ist ein Geist mit ihm\u00bb (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/1.Korinther6%2C17\" target=\"_blank\">1 Kor 6,17<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-red-to-purple-gradient-background has-background wp-block-paragraph\"><em>Bernhard von Clairvaux, Zeugnisse mystischer Welterfahrung, herausgegeben, eingeleitet und \u00fcbersetzt von Bernhardin Schellenberger, Lizenzausgabe, Walter Verlag Olten, 1983, S. 93-100<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitere Hinweise und Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Hl. Bernhard &#8211; Nichts wissen au\u00dfer Christus, als den Gekreuzigten (Gedenktag des hl. Bernhard von Clairvaux)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.horeb.org\/xyz\/podcast\/spiri\/20230820sp.mp3\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ref.: Abt Dr. Maximilian Heim OCist (Zisterzienser)<br>Heiligenkreuz im Wienerwald, \u00d6sterreich<br>20.08.2023 &#8211; Laufzeit: 00:49:35 &#8211; Dateigr\u00f6\u00dfe: 22,70MB<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>P. Karl Wallner gibt Einblicke in das Leben und die Bedeutung des heiligen Bernhard von Clairvaux, einem f\u00fchrenden Theologen des Mittelalters.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"P. Karl Wallner \u00fcber Bernhard von Clairvaux und die zisterziensische Spiritualit\u00e4t\" width=\"750\" height=\"422\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Hc0heZFR4Wk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption class=\"wp-element-caption\">567 Aufrufe 28.04.2021<br>Mit Prof. P. Dr. Karl Wallner OCist, Gr\u00fcndungsrektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. Er war der f\u00fchrende Kirchenpolitiker, Prediger und Theologe seiner Zeit. Seine Schriften beeinflussten Thomas von Aquin, Meister Eckhart und den Dichter Dante. Der heilige Bernhard von Clairvaux nahm aber auch Anteil am politischen Geschehen seiner Zeit, beriet P\u00e4pste, K\u00f6nige und den Kaiser und war ma\u00dfgeblich am Zustandekommen des Zweiten Kreuzzugs beteiligt. Mehr \u00fcber den wohl ber\u00fchmtesten Zisterzienser verr\u00e4t uns heute ein Mitbruder des 21. Jahrhunderts: Pater Karl Wallner<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.horeb.org\/programm\/news-beitraege\/details\/news\/bernhard-und-die-entdeckung-der-liebe\/\" target=\"_blank\">Bernhard und die Entdeckung der Liebe<\/a><br>20.08.2019<br>Spiritualit\u00e4t um 14:00 Uhr mit Sr. M. Mechthild Buttala &#8211; zum Gedenktag des Hl. Bernhard von Clairvaux. Bernhard hat Gott neu entdeckt als den Liebenden, als die Liebe. Der zentrale Punkt im Leben und in der Lehre des heiligen Bernhards ist die Gottesliebe. Er wird nicht m\u00fcde, das Wort aus dem Johannesbrief \u201eGott ist die Liebe\u201c (1Joh.4,8 und 14,6b) und \u201cGott hat uns zuerst geliebt\u201c (1 Joh.4,19) zu zitieren. Diese Wahrheit, von der er ergriffen ist, verk\u00fcndet er. Im Mittelpunkt seiner Liebe steht Jesus Christus.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/www.horeb.org\/fileadmin\/eigene_dateien\/Neue_Seite\/2019_\/0_AUDIO\/A_Spiri\/20180820sp_Bernhard_und_die_Entdeckung_der_Liebe.mp3\"><\/audio><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bernhard von Clairvaux (1090 -1153)<br>Mystiker, Kirchenlehrer und&nbsp;Ordensvater der Zisterzienser.&nbsp;Geistlicher Schriftsteller und eine der gro\u00dfen Heiligengestalten des Mittelalters<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der 83. Predigt \u00fcber das Hohelied vom hl. Bernhard von Clairvaux Sermones super Cantica Canticorum (Predigten \u00fcber das Hohelied) Jeder Mensch ist ein unzerst\u00f6rbares Ebenbild Gottes. Der Mensch hat sich von Gott entfremdet und soll zu ihm, und damit zu seinem eigenen tiefsten Wesen, zur\u00fcckkehren. Ihre einzige Sorge mu\u00df sein, dem Adel ihrer Natur&hellip; <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/www.ifit.li\/?p=11397\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Der Weg zur\u00fcck zu Gott ist die Liebe<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11400,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[1,182,49,57,3,202,177,45,23,22],"tags":[63,67,38,75,24,6,76,120,208,94,93,12,14,88,95,96,37,92,186,27],"class_list":["post-11397","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-apostelgeschichte","category-barmherzigkeit","category-jahr-des-glaubens","category-kirche","category-kunst","category-thomismus","category-unterscheidung-der-geister","category-weihnachten","category-wissenschaft-und-ethik","tag-abbild-gottes","tag-abtreibung","tag-analogie","tag-arbeit","tag-begriff","tag-christ","tag-dreifaltigkeit","tag-freiheit","tag-herrlichkeit-gottes","tag-identitaetsprinzip","tag-kontradiktionsprinzip","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-liebe","tag-priestertum","tag-prinzip-des-ausgeschlossenen-dritten","tag-prinzip-des-hinreichenden-grundes","tag-relativismus","tag-seinsprinzipien","tag-sophismus","tag-wahrheit","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11397"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11397\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12324,"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11397\/revisions\/12324"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ifit.li\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}