{"id":3,"count":146,"description":"Kirche heisst griechisch kyriake = dem Herrn geh\u00f6rig, zu erg\u00e4nzen griechisch ekklesia = das hl. Volk und vor allem dessen Festversammlung, Kirche also = die heilige Gemeinde des Herrn (lat. ecclesia).\r\n\r\nI. In der Schrift\r\nDer Ansatzpunkt f\u00fcr die Herkunft einer Kirche von Jesus Christus liegt in seiner Predigt an sein Volk Israel, das er in die Basileia Gottes rufen will. Dieses Volk war das Volk Gottes, dessen Festversammlung hebr\u00e4isch qahal, griechisch ekklesia hie\u00df. Der Ruf an Israel erging zun\u00e4chst innerhalb des Bundes, des Alten Testamentes; die Erw\u00e4hlung von zw\u00f6lf Aposteln bedeutete Jesu Anspruch auf sein ganzes Volk, auf alle zw\u00f6lf St\u00e4mme. In der Verwirklichung dieses Rufes ben\u00fctzt Jesus das in der j\u00fcdischen Umwelt seiner Zeit gebr\u00e4uchliche \"Material\", indem er als ein religi\u00f6ser Wanderlehrer seinen Sch\u00fclerkreis aufbaut, wenn sich diese Gemeinde gegen\u00fcber \u00e4hnlichen Gruppen vor allem auch dadurch unterscheidet, da\u00df auch und gerade die S\u00fcnder und Verlorenen hineinberufen werden (Mk 6,34; Mt 10,6). Nach der Ablehnung des Rufes Jesu durch gro\u00dfe Teile Israels predigt er nicht eine spirituelle Kirche, den \"heiligen Rest\" einer messianischen Sondergemeinde, sondern er f\u00fchrt den J\u00fcngerkreis tiefer in das Geheimnis seiner Sendung und seines Todes ein, er rechnet mit einer Zwischenzeit zwischen seinem Tod und dem enth\u00fcllten Anbruch der Basileia (vgl. Mk 2,19f; 13,9f; vor allem den Auftrag zur Wiederholung des Ged\u00e4chtnismahles: 1 Kor 11,24; Lk 22,16.19f.30a; vgl. auch 22,31 f). Dieser Ansatz wird von Jesus selbst nicht weiter institutionalisiert. Von ihm aus verstehen die Schriftsteller des Neuen Testamentes jedoch die Kirche, in der sie bereits leben, vgl. die Kirchenstiftungsworte Mt 16,18f: auf dem Fundament des Petrus (das also fortdauern mu\u00df, solange der Bau dauert) will Jesus \u201eseine Kirche\u201c bauen, die noch nicht Basileia ist, aber auch nicht unabh\u00e4ngig von ihr steht, denn dem Petrus wird die Schl\u00fcsselgewalt auf sie hin gegeben. Diese Kirche wird sich in dieser Zeit vollziehen, denn die H\u00f6llenpforten werden gegen sie anst\u00fcrmen, sie aber nicht \u00fcberw\u00e4ltigen. Dies kommt ihr zu, weil im Tod Jesu, des Ebed Jahwe, \u201ef\u00fcr die vielen\u201c (Mk 14,24) der Neue Bund gestiftet ist und die Kirche darin als Medium des Heils f\u00fcr alle jene bestimmt ist, die die Basileia erben werden. Diese Kirche soll apostolisch hierarchisch geleitet sein (Lk 22,31f; Mt 18, 18; Binde- und L\u00f6segewalt); die n\u00e4here Entfaltung und die innere Begeisterung werden das Werk des Heiligen Geistes sein, der als Paraklet von Jesus verhei\u00dfen ist. Das Verh\u00e4ltnis zum eschatologisch unwiderruflich zugesagten Geist Gottes ist \u00fcberhaupt ein wichtiges Bindeglied zwischen Jesus und der Urkirche. In diesem Geist erh\u00e4lt sie den Anspruch auf Israel aufrecht (Apg 2,36; 3,17-26) und er\u00f6ffnet sie sich den Heiden (Apg 15,14). In der Einheit von Juden und Heiden in der Kirche sieht Paulus in seiner Kirchentheologie das Geheimnis Jesu Christi schlechthin (Eph 3,4ff). Wenn bei ihm \u201eKirche\" auch \u00f6fters die einzelne Ortsgemeinde bezeichnen kann, so ist ihm doch letztere eine theologisch, nicht eine organisatorische Gr\u00f6\u00dfe; in allen Schwierigkeiten der Heidenmission h\u00e4lt er fest an der Urgemeinde in Jerusalem, und die Gesamt-Kirche ist f\u00fcr ihn das eigentlich mit \u201eKirche\" Gemeinte, das sich freilich vollzieht und repr\u00e4sentiert wird von den kleinen Einzelgemeinden.\r\n\r\nII. Theologie\r\n1. Im ersten Wesensansatz wird Kirche am besten von dem Wesen der Offenbarung her bestimmt: sie ist die gesellschaftlich legitim verfa\u00dfte Gemeinschaft, in der durch den Glauben die eschatologisch vollendete Offenbarung in Jesus Christus als Wirklichkeit und Wahrheit f\u00fcr die Welt pr\u00e4sent bleibt. Kirche kann es daher nur im endg\u00fcltigen Stadium der Offenbarung als der siegreichen Selbstmitteilung Gottes im wirksamen Wort Gottes geben, in dem als menschlichem Wort Gott sich der Welt als erbarmende Gnade endg\u00fcltig zusagt, also im Wort, das an die Gemeinschaft der Glaubenden ergeht, in ihrem Bekenntnis die Zusage der Gnade zur reflexen Gegebenheit bringt und in ihr mittels ihrer amtlichen F\u00fchrung (Lehramt) richtig bewahrt und entfaltet wird. Kirche ist die bleibende Pr\u00e4senz des endg\u00fcltigen (und darum reflex ausdr\u00fccklichen) Wortes Gottes an die Welt in der Welt und f\u00fcr die Welt. Da dieses Wort letztlich Jesus Christus ist, hat er durch seine Wirklichkeit die Kirche gestiftet (... II. Vat., Miss. 5: die Kirche nach der Auferstehung von Jesus gegr\u00fcndet).\r\n2. Wesensgesetz. Die Kirche ist, entsprechend ihrem Wesen, als bleibende Pr\u00e4senz des gottmenschlichen, geh\u00f6rten und proklamierten, wirksamen Wortes Gottes in der Welt, die gewisserma\u00dfen \u201esakramentale\" Einheit von Zeichen und Sache, die weder identifiziert noch voneinander getrennt werden k\u00f6nnen (II. Vat., Kirche l 9 48, Kirche\/Welt 42 u.\u00f6.; Ursakrament): sie ist \u00e4u\u00dfere Gesellschaft, \u201esichtbare\" Kirche mit einer Verfassung (Papst, Bischof), die - wenigstens hinsichtlich bestimmter Materialien - auf Jesus Christus zur\u00fcckgeht (DS 3050ff, NR 436f), mit einer greifbaren Gemeinsamkeit des Kultes und des Bekenntnisses. Aber eben dies alles ist das Zeichen der wirksamen Zugesagtheit Gottes selbst an die Welt: seiner Wahrheit in der unfehlbaren Lehre der Kirche (Unfehlbarkeit), seiner Gnade in dem wirksamen Wort der Sakramente, seiner Liebe in der gnadenhaften Einheit der Glaubenden untereinander und in deren Dienst an der Welt. Und eben dieses, dessen wirksames Zeichen die sichtbare Kirche (in Sein und Tun) ist, geh\u00f6rt selbst zur Kirche.\r\n3. In dieser doppelten Seinsweise gr\u00fcndet die Geschichtlichkeit der Kirche. Sie ist zwar gegenw\u00e4rtig und ist doch nur eschatologisch (d.h. von der schon in Jesus Christus angebrochenen Vollendung her) zu verstehen: sie ist wanderndes Gottesvolk (1 Petr 2,10; Hebr 3,7-4,11) bis zur Wiederkunft Jesu Christi. \u201eIn ihren Sakramenten und Institutionen, die noch zu dieser Weltzeit geh\u00f6ren, tr\u00e4gt die pilgernde Kirche die Gestalt dieser Welt, die vergeht\" (II. Vat., Kirche 48). Diese Geschichtlichkeit der Kirche steht nicht im Widerspruch zur Verbindlichkeit ihrer jeweiligen konkreten Erscheinung, in der allein (und nicht in einer spiritualistischen \u201eIdealkirche\") jeweils die Kirche anzutreffen ist. Die Kirche ist Geschichte, aber sie wird immer neu gegen\u00fcber dem immer drohenden Verfall gehalten vom Heiligen Geist (vgl. DS 600f 3807 f, NR 407; Heilsgeschichte), der die abgeschlossene Offenbarung je geschichtlich neu enth\u00fcllt. Der innere Dynamismus der Kirche dr\u00e4ngt nicht nur aus Glaube und Gnade zur sakramental greifbaren Darstellung dieser inneren Wirklichkeit, sondern auch aus dieser Sakramentalit\u00e4t der ganzen, \u201esichtbaren\" Kirche zur\u00fcck zu Glaube und Gnade, und beide Bewegungen zusammen dr\u00e4ngen zur endzeitlichen Vollendung. In drei Daseinsr\u00e4umen also lebt die Kirche: in der Innerlichkeit des Glaubens und der Gnade, in der Sichtbarkeit repr\u00e4sentierender \u00c4mtern, sakramentaler Handlungen und in der hier und jetzt in engagierter Liebe realisierten wachsenden Anteilnahme am k\u00fcnftigen \u00c4on, in dem Zeichen und Bezeichnetes nicht mehr verschieden sind.\r\n4. Die Notwendigkeit der Kirche f\u00fcr das Heil des Menschen ist aus diesem ihrem \u201esakramentalen\u201c Wesen her zu verstehen: sie ist heilsnotwendig (... II. Vat., Kirche 14, Miss. 7), wie es der Glaube und die Taufe je in ihrer verschiedenen Weise sind (Begierdetaufe, Kirchengliedschaft, Heilsnotwendigkeit). In Analogie zu den in der Theologie seit langem \u00fcblichen Abstufungen der Ausdr\u00fccklichkeit in Glauben (Fides implicita) und Taufe (Votum baptismi) geht auch der Vorgang der Kirchenbildung durch verschiedene Stufen (II. Vat., Kirche 13-16, Oek. 4), doch so, da\u00df alle diese Stufen infolge ihrer Hinordnung auf die sakramental-kirchliche Endstufe deren echte Anteile sind. Dies ist nur m\u00f6glich, weil die Wirklichkeit der Kirche (ebenso wie die Jesu Christi und der Sakramente) trotz ihrer Sichtbarkeit nicht nach der Art materieller Erscheinungen determiniert ist. Sie ist eine geistig-leibliche Ausdruckswirklichkeit und hat als solche die gr\u00f6\u00dfere M\u00f6glichkeit, in verschieden dichter Leibhaftigkeit doch streng identisch zu bleiben. So ist der Satz Cyprians \"Extra Ecciesiam nulla salus\" durchaus mit dem allgemeinen Heilswillen Gottes sinnvoll zu vereinen, ohne da\u00df dabei etwa die reale Heilsm\u00f6glichkeit aller (also auch der \u00e4u\u00dferlich au\u00dferhalb der Kirche Stehenden) oder die Verbindlichkeit der Kirche geleugnet werden mu\u00df. Diese Verbindlichkeit bleibt nicht ganz unangetastet, wenn man von \u201eau\u00dferordentlichen\" und \u201eunsichtbaren\" Heilswegen und von einer Zugeh\u00f6rigkeit zur \u201eSeele\" der Kirche spricht. Die Struktur der Kirche l\u00e4\u00dft nach der Lehre der katholischen Kirche vom Wesen der Kirche eine solche Aufspaltung nicht zu, wohl aber (infolge ihrer sakramentalen Struktur) eine Abstufung, sofern nur ein objektiver Zusammenhang der Anteile mit der ganzen Realit\u00e4t gegeben ist, die sich in ihnen entfaltet, und sofern nur die Verpflichtung des Menschen zu der ganzen Wirklichkeit der Kirche unangetastet bleibt.\r\n5. Merkmale. Als Eigent\u00fcmlichkeiten und Merkmale zur Unterscheidung der wahren Kirche Jesu Christi z\u00e4hlt man heute gew\u00f6hnlich vier auf: a) Die katholische Kirche beansprucht f\u00fcr sich allein den Auftrag zur Verwirklichung der auch \u00e4u\u00dferlich sichtbar einen Kirche (Einheit der Kirche, II. Vat., Kirche 8); b) die katholische Kirche versteht sich als heilige (Heiligkeit der Kirche, II. Vat., Kirche 8 ff 39 41 48); c) die Kirche Jesu Christi mu\u00df grunds\u00e4tzlich katholisch, d.i. Weltkirche sein (Katholizit\u00e4t der Kirche, II. Vat., Kirche 81323, Oek. 4); d) sie mu\u00df auf den Aposteln aufruhen und ihnen folgen, d.h. apostolisch sein (Apostolizit\u00e4t der Kirche, II. Vat., Kirche 8, Oek. 17).\r\n6. Zur Verfassung der Kirche als \u00e4u\u00dferer Gesellschaft vgl.  Apostel, Papst, Bischof, Amt, Laie, Lehramt, Hirtenamt der Kirche, Ordo, \u00c4mteranerkennung, Successio apostolica.\r\n7. Wesensbilder der Kirche. Nach dem Vorgang der Schrift und der Patristik spricht die Kirche ihr Wesen in Analogien und Bildern aus (so zuletzt II. Vat., Kirche 6f u.\u00f6.), deren Bezug auf die Kirche und deren genauere Bedeutung allerdings erst aus dem Ganzen der Offenbarung erkannt werden k\u00f6nnen.\r\na)  Der n\u00e4chstliegende Vergleich entstammt dem soziologischen Bereich selber: die Kirche ist das Volk Gottes (1 Petr 2,10 u.\u00f6.). Die Berufung zum Heil. wird in dieser Sicht zum Prinzip der Sammlung. Da\u00df die Beziehung des Menschen zu Gott an ein \u00e4u\u00dferes und gemeinsames Handeln (bzw. Erleiden) gekn\u00fcpft sei, wird im modernen Individualismus als befremdend empfunden. Doch durchzieht dieser Gedanke die ganze Heilsgeschichte (Solidarit\u00e4tsprinzip). Immer war Gottes Gnade in Gemeinschaften gefa\u00dft, angefangen von den Stammeltern (Monogenismus) \u00fcber die Bundesv\u00e4ter Noah, Abraham und Mose bis zum Neuen Bund, in dem die \u201eNahen und Fernen\" (Eph 2, 17)  in der friedensstiftenden Kraft des Blutes Jesu Christi zusammenkommen (vgl. Mt 21,43 u.\u00f6.). Man kann aus diesem Zusammenhang nicht ausbrechen, ohne den Weg zu eben jener Transzendenz zu verfehlen, um derentwillen man versucht und vielleicht verpflichtet ist, gegen eine illegitime Inanspruchnahme dieser Transzendenz zu protestieren.\r\nb) In der gleichen Ebene liegt das Wort vom \"Reich Gottes\" (zur richtigen Anwendung dieses Wortes vgl. Basileia). Es stellt die Kirche dar als den geschichtlichen Raum der in der \u00d6ffentlichkeit sichtbaren praktischen Durchsetzung des Willens Gottes und l\u00e4\u00dft sie Vorstufe sein f\u00fcr jene endg\u00fcltige Verfassung der Sch\u00f6pfung, in der in der wirklichen Basileia \u201eGott alles in allem\" ist.\r\nc) Mit Paulus bzw. den \u201ePaulinen\" (1 Kor 6,15ff; Eph 1,22f: Kol 1,24) und in \u00dcbereinstimmung mit der Tradition (Klemens von Rom, Origenes, Augustinus, Bonifaz VIII.) bezeichnet sich die Kirche als den \u201eMystischen Leib Jesu Christi\". Die Bedeutung der Lehre vom mystischen Leib Jesu Christi f\u00fcr das neue Kirchenbewu\u00dftsein liegt in der engeren Verbindung der Kirche mit Jesus Christus sowie in der begr\u00fcndeteren Solidarit\u00e4t der Glieder untereinander. In Bezug auf die Verbindung mit Jesus Christus kann man sagen: die Kirche ist eine Christuswirklichkeit (1 Kor 12, 13); sie ist die ausgezeichnete Weise, in der Jesus Christus nach seiner Erh\u00f6hung durch die Sendung des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 10,3f; Eph 2,15.17f) in den Menschen fortlebt, die er sterbend als seinen \u201eLeib\", seine \u201eF\u00fclle\" (Eph 4,12f) an sich gezogen hat. Sie werden ihm gleichf\u00f6rmig und alle zusammen \u201eeiner in Christus\" (Gal 3,28). Diese Weise seines Fortlebens hei\u00dft mystisch; damit wird ihr Realit\u00e4tscharakter nicht geschm\u00e4lert, sondern von den sonstigen M\u00f6glichkeiten, Leib zu sein, abgehoben (z.B. in biologischer Substanzeinheit). Die Kirche ist somit eine \u00fcber alles blo\u00df Institutionelle hinausreichende, lebendige Einheit: sie bezieht sich auf Jesus Christus nicht nur als auf ihren Ursprung, sondern auch als auf den in ihr gegenw\u00e4rtigen Grund ihres Lebens. Die im Bild des mystischen Leibes dargestellte Verbindung aller Gl\u00e4ubigen untereinander (Gemeinschaft der Heiligen), die im Essen des einen Brotes in Erscheinung tritt (1 Kor 10,17.21), begr\u00fcndet das Bewu\u00dftsein einer seinshaft \u201ein Christus\" (R\u00f6m 12,5) begr\u00fcndeten Solidarit\u00e4t der Glieder und wird zum Motiv f\u00fcr liturgische, aszetische, pfarrliche, \u00f6kumenische und soziale Forderungen.\r\nd) Da die neutestamentliche Kirche in das Erbe des Alten Testamentes eintritt, gehen auf sie neben der allgemeinen Idee des Gottesvolkes auch die bildlichen Redewendungen der prophetischen Brautmystik \u00fcber: Gott verbindet sich der erl\u00f6sten Menschheit in der Zartheit und Unverbr\u00fcchlichkeit der Liebe. Nur scheinbar bleibt dieses Bild hinter dem vom mystischen Leib zur\u00fcck, denn eben diese Liebe macht aus den Partnern \u201eein Fleisch\" (Gn 2,24), und eben dieser Leib bewahrt das personale Eigensein der Glieder. Beide Bilder verbinden sich im Neuen Testament (Eph 5,23-32; Apk21,9f) und halten, sich gegenseitig erg\u00e4nzend, Ehrfurcht und Innigkeit im Gleichgewicht.\r\ne) Die gleiche dialektische Funktion hat die biblische Mischung mechanischer und organischer Bildlichkeit. Einerseits wird die Kirche einem Bau verglichen, der sich aus vielen Steinen zum Haus (1 Tim 3,15; Hebr 3,6; 1 Petr 4,17) oder Tempel (Eph 2,21f) f\u00fcgt, um sich zur Stadt Gottes (Gal 4,25 f) zu vollenden. Anderseits w\u00e4chst sie von innen wie eine Senfstaude, ein Weinstock oder ein Baum (Mt 13,31f; Jo 15,1-8) der Lebensf\u00fclle des Paradieses entgegen. Doch auch Stadt und Garten sind nicht sich ausschlie\u00dfende Gegens\u00e4tze, sondern deuten an, da\u00df die bildliche Aussage das geheimnisvolle Sein der Kirche \u00fcber den Begriff der Ansammlung sowohl wie des Lebens erheben will. Zuletzt aber kann die Kirche in ihrer vom Heiligen Geist gewirkten Gesamtwirklichkeit mit keiner Kategorie des irdischen Daseins, ob bildlich oder begrifflich, ersch\u00f6pft werden. Sie hat den Grund ihrer M\u00f6glichkeit \u201evon oben\" und wird dem Denken des Menschen nicht dadurch zug\u00e4nglich, da\u00df sie dies verleugnet.\r\n8. Ortskirche und Gesamtkirche. Das II. Vat. versteht unter Ortskirche zun\u00e4chst die vom Bischof geleitete Kirche (= Di\u00f6zese). Theologisch bedeutet Ortskirche: Die eine ganze Kirche Jesus Christi ist gegeben und pr\u00e4sent in jeder Ortsgemeinde (II. Vat., Kirche 26), die konstituiert wird durch die  Verk\u00fcndigung des Evangeliums Jesu Christi, durch die Eucharistie und durch die praktizierte Liebe. Diese (unter Umst\u00e4nden sehr kleine) Ortsgemeinde ist \u201eje an ihrem Ort\" das neue Volk Gottes im Heiligen Geist (ebd.). Durch sie wird Jesus im Zeichen und im Geist Gl\u00e4ubigen und Ungl\u00e4ubigen pr\u00e4sent. Die Gesamtkirche baut sich aus vielen solchen (unter Umst\u00e4nden zerstreuten) Glaubensgemeinden der \u201eBasis\" (lokalen Zellen) auf.\r\n9. Kirche und Staat. Die Kirche beansprucht kraft ihres Wesens eine grunds\u00e4tzliche Unabh\u00e4ngigkeit vom Staat (sie ist an kein politisches, wirtschaftliches oder gesellschaftliches System und an keine bestimmte Kultur gebunden: II. Vat., Kirche\/Welt 42 58 76). Sie erkennt Staat und b\u00fcrgerliche Gesellschaft als eigenst\u00e4ndige, von der Kirche unabh\u00e4ngige und autonome Gr\u00f6\u00dfen (\"vollkommene Gesellschaft\") durchaus an (Pluralismus). Wenn sie beansprucht, \"Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person\" zu sein (II. Vat., Kirche\/Welt 76), und die objektiv auch f\u00fcr das \u00f6ffentliche und staatliche Leben geltenden Normen des nat\u00fcrlichen Sittengesetzes verk\u00fcndigt und Verst\u00f6\u00dfe dagegen als gegen das Gewissen der V\u00f6lker als solche kennzeichnet und dadurch das Gewissen ihrer Glieder bindet, so wird sie dadurch kein Oberstaat, weil die Kirche die Normen der Freiheit vor Glaubenszwang und der Toleranz auch und gerade f\u00fcr den weltanschaulich gemischten Staat anerkennt und nicht beansprucht, hinsichtlich des positiv in der jeweiligen geschichtlichen Situation staatlich und gesellschaftlich zu Tuenden einen konkreten Imperativ verk\u00fcnden zu k\u00f6nnen. Die Kirche, die nach dem II. Vat. keine Sendung in den politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Bereich hat (Kirche\/Welt 42), wei\u00df sich dennoch verpflichtet, aktiv \"zu einer humaneren Gestaltung der Menschheitsfamilie\" beizutragen (ebd. 40). Hinsichtlich des konkreten politischen Weges haben die Glieder der Kirche berechtigte Meinungsverschiedenheiten (ebd. 43 75). Damit ist nat\u00fcrlich nicht die Freiheit gemeint, auf der Seite der allein Besitzenden, Unterdr\u00fcckern, Ausbeuter zu stehen (ebd. 63-72). Die Aufgaben der Kirche in Staat und Gesellschaft ergeben sich daraus, da\u00df sie ... auch f\u00fcr Ungl\u00e4ubige existiert und dadurch gegen Unrecht sein mu\u00df; ihre Aufgaben bestehen aber nicht in der Verteidigung ihrer Privilegien, ja noch nicht einmal ihrer \u201elegitim erworbenen Rechte\" (ebd. 76).\r\n10. Die Haltung des reifen Christen von heute gegen\u00fcber der Kirche ist einerseits von der Einsicht der Unm\u00f6glichkeit eines absoluten religi\u00f6sen Individualismus getragen: Gott will das Heil aller, und dieses Heil als Heil des ganzen Menschen verwirklicht und repr\u00e4sentiert sich in allen Dimensionen des Menschen, so da\u00df es keine solche gibt, die allein \"spezifisch\" religi\u00f6s ist (z.B. die Innerlichkeit, das Gem\u00fct, das Frauliche, das Kultische usw.). Und so geh\u00f6rt eben auch die Gesellschaftlichkeit der wirksamen Repr\u00e4sentanz des g\u00f6ttlichen Heils zur Kirche. Darum gibt es f\u00fcr den Christen auch auf dem Gebiet des Religi\u00f6sen keinen separatistischen Individualismus, sosehr er auch als Homo religiosus das Individuum ineffabile bleibt. Anderseits wei\u00df der Christ mitten in seiner Treue zur Kirche als dem bleibenden Raum seines religi\u00f6sen Daseins, in Gehorsam gegen ihr Lehr- und Hirtenamt, da\u00df sie die pilgernde Kirche ist, die in ihrer Geschichtlichkeit m\u00fchsam ihren Weg durch die Zeit sucht, er ertr\u00e4gt sie in kritischer Loyalit\u00e4t und in Geduld, wie er von ihr getragen wird. Und er sieht sie als in der Geschichte von Gott aufgerichtetes Zeichen des Heils (des Friedens, der Vers\u00f6hnung und der Einheit) auch f\u00fcr die ganze Welt, also auch f\u00fcr die, die ihr geschichtlich greifbar noch nicht angeh\u00f6ren. Diese grunds\u00e4tzliche und durchaus auch konkrete Bejahung der Kirche schlie\u00dft nicht aus, da\u00df der Einzelne oder eine Gruppe in dem unverf\u00fcgbar gegebenen Charisma die Intention der Kirche engagiert antizipiert und sich darum nur partiell mit einer Ortskirche identifiziert, in der diese Intention nur unzul\u00e4nglich realisiert ist.\r\n\r\nAus dem kleinen theologischen W\u00f6rterbuch (kthW) von Karl Rahner, Herbert Vorgrimler, Herder-B\u00fccherei, 5. 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