Maria ist Mutter der Kirche und Vorbild des Glaubens, der Liebe und der Einheit mit Christus

40. Katechese zum Jahr des Glaubens von Papst Franziskus

L'Osservatore RomanoIm Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Der Friede sei mit euch. Und mit deinem Geiste. Zu Beginn einer Generalaudienz wird immer eine Stelle aus der Heiligen Schrift vorgelesen, heute aus dem hl. Evangelium nach Lukas (vgl. Lk 1,39-42): Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wort des lebendigen Gottes. Es folgt zuerst eine Zusammenfassung der Katechese des Heiligen Vaters in deutscher Sprache: Liebe Brüder und Schwestern, in Fortführung der Katechesen über die Kirche schauen wir heute auf Maria als das Urbild der Kirche.

Das wird in drei Aspekten deutlich. Erstens ist Maria Vorbild des Glaubens. Als Tochter Israels erwartete sie die Erlösung ihres Volkes. In ihr erfüllte sich der Glaube Israels, als sie zum Plan der Liebe Gottes, die Mutter des Erlösers zu werden, Ja gesagt hat. Ihr unerschütterliches Vertrauen in Gottes Heilswirken ist Grundlage des Glaubens der Kirche, dessen Mitte Christus ist. Zweitens ist Maria Vorbild der Liebe. Sie hat ihre Verwandte Elisabeth unterstützt, ihr vor allem Jesus gebracht und damit seine Liebe, seine Freude, seinen Frieden. Wie Maria bringt auch die Kirche den Menschen Christus, Gottes menschgewordene Liebe und sein Evangelium. Schliesslich ist Maria Vorbild der Einheit mit Christus. Ihr ganzen Leben und Handeln vollzog sich in vollkommener Einheit mit Jesus.

Mit ihrem Sohn vereint, hat sie auf einzigartige Weise an seinem Kreuzesopfer und Heilswerk teilgenommen und wurde zur Mutter der Glaubenden, zur Mutter der Kirche. … Der Heilige Vater hat die Anwesenden mit folgenden Worten begrüsst: Sehr herzlich grüsse ich die Pilger aus den Ländern deutscher Sprache sowie aus den Niederlanden und aus Dänemark. Einen besonderen Gruss richte ich an die Teilnehmer der gemeinsamen Wallfahrt der Diözese Kopenhagen, Hamburg, Hildesheim, Osnabrück, Münster und Paderborn anlässlich des 25. Jahrestages der Seligsprechung von Niels Stensen. Von Herzen heisse ich auch all jungen Menschen willkommen, vor allem die Schülerinnen und Schüler aus … Liebe Freunde, die hl. Gottesmutter Maria helfe euch, im Glauben und in der Liebe zu wachsen und so wahre Kinder der Kirche zu sein.

Live-Übersetzung der Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag! Wir führen die Katechesen über die Kirche fort und in diesem Zuge möchte ich heute von Maria Bild und Vorbild der Kirche sprechen. Ich tue das, indem ich ein Zitat aus dem II. Vatikanischen Konzil aufgreife. Die Konstitution Lumen Gentium schreibt (vgl. Lumen Gentium 63): „Die Gottesmutter ist, wie schon der heilige Ambrosius lehrte, der Typus der Kirche unter der Rücksicht des Glaubens, der Liebe und der vollkommenen Einheit mit Christus.“ Wir gehen vom ersten Aspekt aus: Maria als Beispiel und Modell des Glaubens.

1. Die Gottesmutter Maria ist das Vorbild des Glaubens der Kirche

In welchem Sinn ist Maria Modell für den Glauben der Kirche? Denken wir darüber nach, wer die Jungfrau Maria war. Sie war ein hebräisches Mädchen, das mit ihrem ganzen Herzen die Erlösung ihres Volkes erwartete. Aber in diesem Herzen der jugendlichen Tochter Israels gab es ein Geheimnis, das sie selbst bis dahin noch nicht kannte. Im Plan der Liebe Gottes war sie dazu bestimmt, die Mutter des Erlösers zu werden. Im Moment der Verkündigung nennt der Bote Gottes sie „voll der Gnade“ und eröffnet ihr dieses Projekt im Plan Gottes. Maria antwortet: „Ja“. Und von diesem Augenblick an erhält der Glaube Mariens ein neues Licht. Sie konzentriert sich auf Jesus, den Sohn Gottes, der von ihr Fleisch angenommen hat und in dem sich alle Versprechen, alle Voraussagen der ganzen Heilsgeschichte verwirklichen. Der Glaube Mariens ist Erfüllung des Glaubens Israels. In ihr ist der ganze Weg des auserwählten Volkes, das die Erlösung erwartete, zusammengefasst. Und in diesem Sinn ist sie das Modell, das Vorbild des Glaubens der Kirche, der, dieser Glaube, Christus als Zentrum hat, der in der unendlichen Liebe Gottes zu uns kam. Und wie hat Maria diesen Glauben gelebt? Sie hat diesen Glauben in der Einfachheit der tausend Beschäftigungen und Sorgen des täglichen Lebens gelebt, die eine jede Mutter hat: Nahrung, Kleidung bereiten und sich um das Haus kümmern. Sie hat eine ganz normale Existenz gelebt und das war der Boden, auf dem sich ein ganz einzigartiges Verhältnis und ein tiefer Dialog entwickelt hat zwischen ihr und Gott, zwischen ihr und ihrem Sohn. Das Ja Mariens war von Anfang an vollkommen, aber es ist noch gewachsen bis hin zum Kreuz. Und dort hat sich ihre Mutterschaft ausgeweitet, ganz gewaltig ausgeweitet, indem sie uns alle umarmt hat, indem sie auf ihren Sohn geschaut hat. Maria hat immer, eingetaucht in das Geheimnis Gottes, der Mensch geworden ist, gelebt. Sie ist erste und perfekte Schülerin, Jüngerin Jesu, sie hat alles in ihrem Herzen, im Licht des Heiligen Geistes betrachtet, um tief zu verstehen und in die Tat umzusetzen, was der Wille Gottes ist. Wir können uns hier eine Frage stellen: Lassen wir uns vom Glauben Mariens erleuchten, die unsere Mutter ist oder denken wir, dass sie weit weg ist? Sehr verschieden von uns, zu verschieden von uns? In den Schwierigkeiten, der Dunkelheit, den Prüfungen, schauen wir auf sie als Modell des Vertrauens auf Gott, die immer und ausschliesslich unser Wohl, unser Heil möchte? Denken wir darüber mal nach. Vielleicht wäre es gut, Maria wiederzufinden als das Vorbild und Bild der Kirche in diesem Glauben, den sie gehabt hat.

2. Die Gottesmutter Maria ist das lebendige Vorbild der Liebe

Kommen wir zum zweiten Aspekt: Maria das Vorbild der Liebe. Auf welche Art und Weise ist Maria labendes, lebendiges Beispiel der Liebe? Denken wir an ihre Bereitschaft, für ihre Verwandte Elisabeth zu sorgen. Maria hat ihr da nicht bei ihrem Besuch nur eine materielle Hilfe gegeben, sondern sie hat Jesus gebracht, der bereits in ihrem Schoss gelebt hat. Jesus in jenes Haus zu bringen, bedeutete, die Freude zu bringen, die volle Freude. Elisabeth und Zacharias waren glücklich über die Schwangerschaft, die sie für unmöglich hielten bei Elisabeth. Aber Maria war ganz erfüllt von der Freude des Heiligen Geistes, in der unglaublichen Freude und diese Freude ist übergegangen auf dieses Haus, das sie besucht hat. Maria möchte auch uns allen die grosse Freude, die grosse Gabe schenken, die Jesus ist. Und sie bringt uns ihre Liebe, ihren Frieden und ihre Freude. So ist auch die Kirche, wie Maria. Die Kirche ist nicht ein Geschäft. die Kirche ist nicht eine humanitäre Einrichtung, die Kirche ist nicht eine gemeinnützige Vereinigung, die Kirche ist gesandt, um Christus und sein Evangelium allen zu bringen. Das ist die Kirche. Sie bringt nicht sich selbst. Ob sie klein ist oder gross ist, stark oder schwach, die Kirche bringt Jesus! Und die Kirche muss wie Maria sein, wie wir das vorhin auch gehört haben, als sie zu Elisabeth gegangen ist, um sie zu besuchen. Was hat Maria gebracht? Jesus! Und die Kirche bringt auch Jesus. Das ist das Zentrum der Kirche: Christus, Jesus zu bringen.

Eine Hypothese: Wenn es eines Tages passieren würde, dass die Kirche Christus Jesus nicht mehr bringen würde, dann ist die Kirche tot. Habt ihr das verstanden? Capito? Dann ist die Kirche tot! Sie muss Jesus bringen. Sie muss die Liebe Jesu bringen, die Kraft Jesu! Und wir, die wir die Kirche sind, jeder von uns: Was ist die Liebe, die wir den anderen bringen sollen? Es ist die Liebe Jesu, der teilt, der vergibt, der begleitet! Also, heutzutage ist vielleicht unsere Liebe oft so wie so eine verlängerte Liebe, so wie man den Wein immer mehr mit Wasser mischt, das er nicht mehr nach Wein schmeckt. Die Liebe sucht oft die Sympathien, eine Liebe voller Eigeninteressen. Aber jetzt mal eine Frage: Gefällt Jesus so eine eigennützige Liebe? Was meint ihr? Gefällt sie oder gefällt sie Jesus nicht? Ihr seid noch nicht so richtig überzeugt! Nein, nein. Die Liebe, die eigennützig ist, gefällt Jesus nicht, sie muss umsonst sein, sie muss wirklich völlig frei sein. Wir müssen diese Liebe in unsere Pfarreien hineintragen. Und wie ist es dort? Behandeln wir da wie Brüder und Schwestern? Oder reden wir schlecht übereinander? Beargwöhnen wir uns gegenseitig? Ich hab in Rom gemerkt: Hier spricht keiner schlecht vom andern. [Der Kommentator kann sich ein Lächeln nicht verkneifen!] Aber, mal ernst, kümmern wir uns umeinander oder pflegt nur jeder seinen kleinen Schrebergarten?

3. Die Gottesmutter Maria ist Vorbild der vollkommenen Vereinigung mit Christus

Jetzt zum Schluss noch ein letzter, kurzer Aspekt: Maria ist Beispiel der Vereinigung mit Christus. Das Leben der heiligen Jungfrau war das Leben einer Frau ihres Volkes. Sie betete, sie arbeitete, sie ging in die Synagoge, aber jede Handlung war immer in vollkommener Einheit mit Jesus Christus vollzogen. Diese Einheit erreicht ihren Höhepunkt auf dem Kalvarienberg. Dort erleidet Maria das Martyrium ihres Herzens, das sie aufopfert dem Vater im Himmel für das Heil der Welt. Die Gottesmutter hat wirklich den Schmerz des Sohnes mitgelitten und hat mit ihm den Willen des Vaters angenommen, in jenem Gehorsam, der Frucht bringt, der den wahren Sieg über das Übel und den Tod gibt. Diese Wirklichkeit ist wunderschön, die Maria uns lehrt, immer mit Jesus vereint und verbunden zu sein! Fragen wir uns wieder: Denken wir an Jesus nur, wenn irgendwas schief geht? Und wenn wir irgendwelche Nöte haben? Oder ist unser Verhältnis zu Jesus ein konstantes? Eine tiefe Freundschaft? Auch dann, wenn es darum geht, ihm auf dem Kreuzweg zu folgen? Bitten wir den Herrn, dass ER uns seine Gnade schenkt, seine Kraft, damit in unserem Leben und im Leben einer jeden kirchlichen Gemeinsaft das Vorbild Mariens sich spiegele, die die Mutter der Kirche ist. Amen. So sei es!

Weitere Hinweise und Quellen