Hab keine Angst, dich als Sünder vom Heiligen Geist lieben, reinigen, heiligen und führen zu lassen

37. Katechese zum Jahr des Glaubens von Papst Franziskus

L'Osservatore RomanoIm Namen des Vaters und Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Der Friede sei mit euch. Und mit deinem Geiste. Zu Beginn einer Generalaudienz wird immer eine Stelle aus der Heiligen Schrift vorgelesen, heute aus dem Brief des heiligen Apostels Paulus an die Epheser (siehe auch Eph 5,25-27): … Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Wort des lebendigen Gottes. Dank sei Gott. Liebe Brüder und Schwestern, ein weiteres Merkmal der Kirche, das wir auch im Credo bekennen, ist die Heiligkeit. Die Kirche ist heilig, weil sie von Gott kommt, der selbst der Heilige ist, der ihr treu ist und sie nicht verlässt.

Die Kirche ist heilig, weil Christus sich für sie hingegeben hat und auf untrennbare Weise mit ihr verbunden ist. Sie ist heilig, weil sie vom Heiligen Geist geleitet, gereinigt, erneuert und verwandelt wird. Die heilige Kirche umfasst in ihrem Schoss Sünder, sie besteht aus uns sündigen Menschen, sie weist niemanden zurück, sondern will, dass alle Menschen umkehren und so Gottes Erbarmen und Vergebung erfahren. In der Kirche können alle den Weg der Heiligkeit gehen, denn sie lässt uns Christus begegnen in den Sakramenten, vor allem in der Beichte und in der Eucharistie.

Sie teilt uns Gottes Wort mit und schenkt uns seine Liebe. Jeder Getaufte ist zur Heiligkeit berufen. Die Heiligkeit liegt nicht so sehr darin, Aussergewöhnliches zu vollbringen, sondern auf Gottes Handeln zu vertrauen, der mit seiner Gnade unserer Schwachheit zu Hilfe kommt. Als Kinder der heiligen Kirche wollen wir auf dem Weg der Heiligkeit voranschreiten…. Sehr herzlich heisse ich alle Pilger deutscher Sprache willkommen, einen besonderen Gruss richte ich an den Vorstand, an die Nationaldirektoren, Mitglieder und Wohltäter der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“. Liebe Freunde, der Herr lasse euer Gebet und euren Einsatz für die Sendung der Kirche in aller Welt, vor allem dort, wo sie geistliche und materielle Not leidet oder diskriminiert und verfolgt wird, immer mehr Frucht bringen. Von Herzen segne ich euch alle.

Live-Übersetzung der Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag! Im Glaubensbekenntnis, nachdem wir bekannt haben: „Ich glaube an die eine Kirche …“ fügen wir das Adjektive „heilige“ hinzu, „die eine heilige Kirche“. Wir behaupten und bekennen also die Heiligkeit der Kirche. Und das ist eine Charakteristik, die ganz von den Anfängen her im Bewusstsein der Christen vorhanden war. Die Christen nannten sich zu Beginn des Christentums schlicht und einfach die „Heiligen“, denn sie hatten die Sicherheit und Überzeugung, dass es die Aktion Gottes, der Heilige Geist, ist, der die Kirche heiligt. Aber in welchem Sinn ist die Kirche heilig? Wenn wir doch auf die Kirchengeschichte schauen, wie da die Kirche durch die Jahrhunderte so viel Schwierigkeiten hatte, Probleme, dunkle Momente. Wie kann eine Kirche heilig sein, die aus menschlichen Elementen, Sündern zusammengesetzt ist? Auch alle Männer und Frauen, alle Priester, Ordensleute, alle sind Sünder, Bischöfe sind Sünder, auch die Kardinäle, auch ein Papst, der Sünder ist. [Beifall] Und das durch die ganze Kirchengeschichte hindurch: Wie kann eine Kirche heilig sein, wenn sie so ist, wie wir sie erleben? Um auf diese Frage zu antworten, möchte ich mich von einem Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Christen in Ephesus leiten lassen. Der Apostel, indem er die familiären Verhältnisse als Beispiel nimmt, sagt, dass Christus die Kirche geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie heilig zu machen. Christus hat die Kirche geliebt und hat sich ganz und gar am Kreuz hingegeben. Und das bedeutet, dass die Kirche heilig ist, denn sie geht aus Gott hervor, der heilig ist, der ihr treu ist, der sie nie verlässt, auch nicht im Angesicht des Todes und des Übels. Weil Christus, der Heilige Gottes, heilig ist und untrennbar mit der Kirche verbunden ist, ist die Kirche selbst auch heilig. Sie ist heilig, weil der Heilige Geist sie leitet, reinigt, transformiert, umwandelt, erneuert. Sie ist nicht heilig durch unsere Verdienste, sondern weil Gott sie heilig macht. Das ist Frucht des Heiligen Geistes, das sind nicht wir, die die Kirche heilig machen, Gott der Heilige Geist macht die Kirche in seiner Liebe heilig. Jetzt könnten wir sagen: „Aber die Kirche besteht aus Sündern“! – Das sind wir jeden Tag. Und das ist wahr. Wir sind eine Kirche von Sündern. Und wir Sünder sind gerufen, uns verwandeln zu lassen, erneuern zu lassen, heiligen zu lassen von Gott. In der Geschichte gab es die Versuchung einiger, die behaupteten, die Kirche ist nur eine Kirche der Reinen, eine Kirche derjenigen, die absolut kohärent sind, und die anderen, die müssen ausgeschlossen werden. Aber das ist schlicht und einfach nicht wahr! Das ist eine Häresie. Die Kirche, die heilig ist, stösst die Sünder nicht zurück, sie stösst uns alle hier nicht zurück. Sie weist uns nicht ab, weil sie alle zu sich ruft, alle annimmt und die, die am weitesten weg sind, ruft, alle möchte sie dazu bringen, sie von der Barmherzigkeit, von der Zärtlichkeit des himmlischen Vaters einhüllen zu lassen, um ihn kennenzulernen, um auf dem Weg der Heiligkeit voranzuschreiten. „Aber, heiliger Vater, ich bin ein Armer Sünder, ich hab wirklich schwere Sünden, wie kann ich mich Teil dieser Kirche wissen?“ Lieber Bruder, liebe Schwester, es ist genau das, was der Herr sich wünscht, dass du ihm nämlich sagst: „Herr, ich bin hier mit meinen Sünden.“ Der eine oder andere von euch hier ist ohne Sünde, irgendjemand? Überhaupt keiner! Keiner von uns! Wir alle tragen mit uns unsere Sünden herum. Aber der Herr möchte von uns hören, dass wir ihm sagen: „Vergib mir, hilf mir, hilf mir zu gehen, hilf mir voranzuschreiten, verwandle meine Herz.“ Und der Herr kann das Herz verwandeln. In der Kirche begegnen wir nicht einem Gott, der grausamer Richter ist, sondern es ist der Vater, aus dem Gleichnis im Evangelium, wie der Vater dem verlorenen Sohn gegenüber. Wenn du die Kraft hast zu sagen: „Ich möchte zurückgehen zum Vaterhaus“, dann wirst du die Tür offen finden. Gott komm dir entgegen gelaufen, er erwartet dich nämlich immer. Gott erwartet dich immer! Gott umarmt dich, er küsst dich und macht ein riesen Fest. So ist der Herr! So ist die Zärtlichkeit unseres Vaters im Himmel!

Der Herr möchte, dass wir Teil einer Kirche sind, die weiss die Arme zu öffnen, um alle aufzunehmen, die nicht ein Haus von wenigen ist, sondern Haus aller, wo alle erneuert werden können, umgewandelt werden können, geheiligt werden können, von seiner, des Vaters Liebe, die Starken und die Schwachen, die Sünder, die Gleichgültigen, die, die sich entmutigt und verloren fühlen. Die Kirche gibt allen die Möglichkeit, den Weg der Heiligkeit zu gehen. Das ist der Weg des Christen: Wir dürfen durch die Kirche Christus in den Sakramenten kennenlernen, ihm begegnen, besonders in der Beichte und in der Kommunion. Das Wort Gottes wird verkündigt durch die Kirche. Sie lässt uns in der Liebe Leben, in der Liebe Gottes, die er zu allen hat. Fragen wir uns also: Lassen wir uns denn heiligen? Sind wir eine Kirche, die wirklich mit offenen Armen die Sünder ruft, ihnen Mut und Hoffnung gibt, oder sind wir eine Kirche, die in sich selbst verschlossen ist? Sind wir eine Kirche, in der man die Liebe Gottes lebt, in der wir aufeinander schauen, in der gebetet wird, die einen für die anderen? Ein letzte Frage: Was kann ich, der ich mich schwach fühle, gebrechlich, Sünder, was kann ich denn tun? Gott sagt dir: „Habe keine Angst vor der Heiligkeit, habe keine Angst davor, dich nach oben auszurichten, dich lieben zu lassen, dich reinigen zu lassen von Gott. Hab keine Angst, dich führen zu lassen vom Heiligen Geist. Lassen wir uns anstecken von der Heiligkeit Gottes. Jeder Christ ist dazu gerufen, heilig zu werden. Die Heiligkeit besteht nicht darin, ausserordentliche Dinge zu tun, sondern sie besteht darin, Gott handeln zu lassen. Es ist das Zusammentreffen unserer Schwäche mit der Kraft seiner Gnade. Heiligkeit bedeutet, Vertrauen zu haben, auf die Kraft Gottes, die uns in seiner Liebe leben lässt, dass wir alles in der Freude und Liebe tun können, zur Ehre Gottes und im Dienst am Nächsten. Es gibt einen berühmten Satz eines französischen Schriftstellers. In den letzten Momenten seines Lebens sagte er: „Es gibt nur eine Traurigkeit im Leben, nämlich die, nicht heilig zu sein.“ Das war ein Zitat von Léon Ploin.

Gehen wir auf dieser Strasse zu Heiligkeit. Verlieren wir nicht die Hoffnung, dass wir es schaffen können. Wollen wir heilig sein? Der Herr erwartet uns, jeden von uns, mit offenen Armen. Er erwartet uns, um ihn zu begleiten, um mit ihm zu gehen, auf dem Weg der Heiligkeit. Leben wir unseren Glauben mit Freude, lassen wir uns vom Herrn rufen, bitten wir ihn um diese Gnade, bitten wir ihn darum im Gebet für uns und für die anderen. Danke.

Weitere Hinweise und Quellen