Dann kehren wir uns zu Gott hin, zu unserem Schöpfer und der Quelle aller Liebe

17. Katechese zum Jahr des Glaubens von Papst Benedikt XVI.

http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de.htmlPapst Benedikt XVI. hat am Aschermittwoch, 13. Februar seine vorletzte Generalaudienz geleitet. In der vollständig gefüllten Audienzhalle hatte sich ein buntes Meer an Pilgern und Besuchern versammelt, die sich vom Papst verabschieden wollten. Ohne Stock trat der Papst vor sein Publikum, das ihm zujubelte und jedes seiner Worte gespannt verfolgte. Neue Erklärungen zu seinem Amtsverzicht gab er bei der Generalaudienz nicht ab; er bekräftigte allerdings seine Worte vom Montag: Nachlassende Kräfte seien der Grund für die Rücktrittsentscheidung gewesen. Die Pilger würdigten seine Worte mit Applaus – „danke für eure Zuneigung“, sagte dazu der sichtlich bewegte Papst.

„Ich habe dies in voller Freiheit zum Wohl der Kirche getan, nachdem ich lange gebetet und vor Gott mein Gewissen geprüft habe. Ich bin mir des Ernstes dieses Aktes sehr bewußt, aber ich bin mir ebenso bewußt, nicht mehr in der Lage zu sein, das Petrusamt mit der dafür erforderlichen Kraft auszuüben.“

Und er erklärte: „Mich trägt und erleuchtet die Gewißheit, daß es die Kirche Christi ist und der Herr es ihr nie an seiner Leitung und Sorge fehlen lassen wird. Ich danke euch allen für die Liebe und für das Gebet, mit dem ihr mich begleitet habt. [Applaus] Danke! Ich habe in diesen für mich nicht leichten Tagen gleichsam physisch die Kraft des Gebets verspürt, die mir die Liebe der Kirche, euer Gebet bringt. Betet weiter für mich, für die Kirche und für den kommenden Papst. Der Herr wird uns leiten.“

„Was zählt wirklich in unserem Leben?“, fragte Benedikt XVI. dann in seiner Katechese. Diese stand ganz im Zeichen der Fastenzeit, die ja an diesem Aschermittwoch beginnt. Benedikt XVI. ging darin auf die Versuchungen Jesu in der Wüste ein – den Moment des „irdischen Lebens des Gottessohnes“, wie er formulierte. Die Wüste sei ein Ort der Stille und Armut, ein Ort der Einsamkeit und des Todes, so der Papst. Hier suchte der Teufel Jesus heim:

„Zunächst redet er Jesus ein, er möge befehlen, dass aus Steinen Brot werde. Dann verspricht er Macht auf dieser Erde. Und schließlich schlägt er vor, der Herr solle sich von der Zinne des Tempels stürzen und dabei die Leute ins Staunen bringen.“

Der Kern dieser drei Versuchungen sei die Instrumentalisierung Gottes für die Interessen des Menschen, der sich letztlich selbst an die Stelle Gottes setzen wolle. Jesus habe diese Versuchungen auf sich genommen, „um so das Böse zu besiegen und uns den Weg zu Gott hin zu öffnen“, so der Papst. Dieser Weg sei ein „Weg der Umkehr“:

„,Umkehr‘ bedeutet hier, die rechte Ordnung anzuerkennen, Gott den richtigen, das heißt den ersten Platz zu geben. Dann kehren wir uns zu Gott hin, zu unserem Schöpfer und der Quelle aller Liebe. Diese innere Bekehrung, diese Hinkehr zu Gott, verlangt unsere ganze Entschiedenheit gerade in unserer Zeit, in der so vieles den Werten des Glaubens entgegensteht. Und erst in dieser Hinwendung zu Gott wird unser Leben recht und finden wir unseren Frieden.“

Christen stünden heute im persönlichen und öffentlichen Leben vor zahlreichen Herausforderungen, führte der Papst in seinem italienischen Redeteil aus. Dazu gehöre die Gefährdung der christlichen Ehe ebenso wie Tendenzen in einer säkularisierten Kultur, die den Glauben aufweichen und verdrängen. Christliche Überzeugungen seien in einem solchen Kontext häufig unbequem, so Benedikt XVI.:

„Es ist nicht leicht, sich öffentlich gegen Entscheidungen zu stellen, die vielen selbstredend erscheinen, wie etwa gegen Abtreibung im Falle einer ungewünschten Schwangerschaft, gegen die Euthanasie im Fall schwerer Krankheiten oder gegen die Auslese von Embryonen, um Erbkrankheiten vorzubeugen. Die Versuchung, den eigenen Glauben beiseite zu stellen ist immer akut, die Umkehr wird ein Antworten auf Gott, das mehrere Male im Leben geleistet werden muss.“

Der Papst untermauerte seine Gedanken mit Beispielen „großer Umkehr“: neben Augustinus und dem heiligen Paulus erwähnte er den russisch-orthodoxen Religionsphilosophen Pavel Florenskij, der vom Agnostiker zum Gläubigen wurde, die Jüdin Etty Hillesum, der ihr Glaube Stütze in Auschwitz‘ Hölle war, sowie die US-amerikanische Sozialaktivistin und Journalistin Dorothy Day, die vom Kommunismus irgendwann zum Katholizismus fand.

In seinen Grüßen an die deutschsprachigen Pilger und Besucher rief der Papst dazu auf, die Fastenzeit als Gelegenheit zur inneren Erneuerung zu nutzen:

„In dieser österlichen Bußzeit wollen wir den Weg der Erneuerung gehen und die Versuchung überwinden, uns selbst zum Zentrum zu machen. Lassen wir Gott Zeit, geben wir ihm unsere Zeit in täglichen Gebeten, um damit offen zu werden für Ihn und für den Nächsten. Die selige Jungfrau Maria begleite euch auf diesem Weg. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!“

Aschermittwochs-Liturgie mit dem Papst im Petersdom

Am Nachmittag leitet der deutsche Papst mit der Aschermittwochs-Liturgie im Petersdom zum letzten Mal eine große liturgische Feier gemeinsam mit den Kardinälen und Bischöfen der Kurie. Zu dem Gottesdienst mit der Austeilung des Aschekreuzes werden Hunderte Besucher erwartet. Die Verlegung der Messe von der Kirche Santa Sabina in den Petersdom erfolgte aus Platzgründen. Radio Vatikan berichtet von der Feier live und mit deutschem Kommentar.

Am Donnerstag wird der Papst die Pfarreien seines Erzbistums in der Audienzhalle empfangen, auch dies wird ein öffentliches Ereignis sein. Am Freitag empfängt Benedikt XVI. den Präsidenten Rumäniens, Traian Băsescu, in Audienz, am Samstag dann den Präsidenten Guatemalas, Otto Fernando Pérez Molina. Ebenfalls am Freitag und Samstag empfängt er Bischöfe Italiens zum Besuch Ad Limina. Am Sonntag beginnen die Fastenexerzitien der Kurie, während dieser Woche wird es traditionell keine Auftritte, Gottesdienste und auch keine Generalaudienz geben.

Weitere Hinweise und Quellen