Wenn wir in Christus leben, dann sind wir wirklich frei und erhalten Kraft für die Mühen des Alltags

32. Katechese zum Jahr des Glaubens von Papst Franziskus

L'Osservatore RomanoLiebe Brüder und Schwestern, guten Tag! In der letzten Katechese haben wir das Ereignis der Auferstehung Jesu betrachtet. In dieser Szene haben die Frauen eine besondere Rolle. Heute, 10. Juli, möchte ich die heilsgeschichtliche Bedeutung betrachten. Was bedeutet denn für uns die Auferstehung? Und warum ist ohne sie unser Glaube leer? Unser Glaube stützt und gründet sich auf dem Tod und die Auferstehung Jesu Christi, so wie ein Haus auf dem Fundament aufbaut. Wenn das zusammenbricht, dann stürzt das ganze Haus zusammen. Am Kreuz hat Jesus sich selbst dargebracht, indem er unsere Sünden auf sich genommen hat und in den Abgrund des Todes hinabgestiegen ist. Und in der Auferstehung hat er den Tod besiegt.

Er hat die neue Strasse eröffnet, damit wir zu einem neuen Leben geboren werden. Wir haben eben den Ausschnitt aus dem Petrusbrief gehört [1 Petrus 1,3-4], der das ganz deutlich zeigt: Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus sei gepriesen. Er hat uns durch sein grosses Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare und makellose Erbe empfangen. Der Apostel sagt uns, dass mit der Auferstehung Jesu etwas absolut Neues geschieht. Wir sind von der Versklavung der Sünde befreit worden und wir sind Kinder Gottes geworden.

Es beginnt ein neues Leben. Und wann beginnt das denn für uns? Im Sakrament der Taufe [Red.: Beichte ersetzt durch Taufe]. In der Antike, da hat man normalerweise die Taufe durch Eintauchen gespendet. Derjenige, der getauft werden soll, ist in die grosse “Wanne” gestiegen, das Baptisterium, hat seine Kleider draussen gelassen und der Bischof oder der Priester hat Wasser dreimal über sein Haupt gegossen und hat ihn getauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und wenn er dann getauft war, kam er heraus aus dem Baptisterium und hat die neuen weissen Kleider bekommen. Er ist zu einem neuen Leben geboren, er ist eingetaucht in Tod und Auferstehung Christi, er ist Kind Gottes geworden. Der heilige Paulus im Römerbrief schreibt: Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Kindern macht, zu Adoptivsöhnen macht und durch den Geist rufen wir “Abba, Vater”. Das ist der Geist, den wir in der Taufe empfangen haben und er lehrt uns das und führt uns dazu, zu Gott “Vater” zu sagen, besser noch “Papa”, das heisst nämlich “Abba” [Römer 8,14-16]. So ist Gott zu uns, er ist ein “Papa” für uns. Der Heilige Geist realisiert, verwirklicht in uns diese neue Seinsweise, dass wir Kinder Gottes sind. Und das ist das grosse Geschenk, das uns Christus gemacht hat. Gott behandelt uns als Kinder, er versteht uns, er umarmt uns, er versteht uns, auch wenn wir uns selber [Red.: nicht verstehen], er liebt uns. Schon im Alten Testament hat der Prophet Jesaja gesagt: Auch wenn eine Mutter ihr Kind vergessen würde; Gott vergisst uns nie [Jesaja 49,15]. Das ist schön! Das ist schön! Trotzdem, diese kindliche Beziehung zu Gott ist nicht ein Schatz, den wir in einer Ecke unseres Lebens irgendwo verwahren, sondern es muss wachsen, es muss ernährt werden jeden Tag mit dem Hören auf das Wort Gottes, dem Gebet, der Teilnahme an den Sakramenten, besonders der Beichte und durch die Werke der Liebe. Wir können leben als Kinder Gottes, wir können als Kinder Gottes leben und das ist unsere Würde. Wir haben Würde der Kinder, benehmen wir uns auch wie wahre Kinder, das heisst, wir müssen uns jeden Tag zulassen, dass Christus uns verwandelt und uns ihm ähnlich macht. Wir wollen versuchen zu leben als Christen, wir wollen ihm folgen, auch wenn wir unsere Grenzen, unsere Schwächen sehen. Die Versuchung, Gott beiseite zu lassen und uns ins Zentrum zu setzten, ist immer an den Türen und das ist die Erfahrung, dass die Sünde unser christliches Leben verletzt und unser Sein als Kinder Gottes. Und deswegen müssen wir den Mut des Glaubens haben, dass wir uns nicht von der Mentalität verführen lassen, die uns sagt, Gott nützt gar nichts, das ist nicht wichtig für dich. Es ist genau das Gegenteil der Fall. Nur wenn wir uns als Kinder Gottes benehmen, ohne uns entmutigen zu lassen durch unser Fallen, wenn wir uns von ihm geliebt fühlen, dann wird unser Leben neu, dann ist es beseelt von einer Heiterkeit, von einer Freude, erfüllt davon: Gott ist unsere Kraft, Gott ist unsere Hoffnung.

Die Hoffnung enttäuscht nicht

Liebe Brüder und Schwestern, wir müssen zuerst diese Hoffnung tief in uns haben und dann können wir ein sichtbares, leuchtendes Zeichen für alle sein. Der auferstandene Herr ist die Hoffnung, die nie abnimmt, der uns nicht enttäuscht. Die Hoffnung enttäuscht nicht, weil es die Hoffnung auf den Herrn ist. Wie oft in unserem Leben sind unsere Hoffnungen zugrunde gegangen, unsere Wünsche, die wir im Herzen getragen haben, die sich nicht realisiert haben. Aber die Hoffnung der Christen ist stark, sicher, das einzig Stabile auf dieser Erde. Da, wo Gott uns berufen hat zu gehen, ist es geöffnet auf die Ewigkeit. Wir dürfen das nicht vergessen, das ist gegründet auf Gott und er ist treu. Das dürfen wir nicht vergessen: Gott ist immer treu, immer treu uns gegenüber. Wenn wir durch Christus auferstanden sind durch den Glauben, durch das Geschenk des Glaubens und wir ein Erbe haben, das nicht zerbricht, dann drängt es uns dahin, mehr die Dinge Gottes zu suchen, mehr an ihn zu denken, zu ihm zu beten. Christen zu sein, vollzieht sich nicht dadurch, dass wir irgendwelche Gebote folgen, sondern das heisst, in ihm sein, in Christus sein, denken, wie er gedacht hat, handeln wie er, lieben wie er.

Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir es zu, dass er unser Leben in Besitz nimmt und uns verwandelt, uns befreit vom Schatten der Sünde und des Bösen. Zeigen wir die Freude, Kinder Gottes zu sein, die wahre Freiheit, die uns vom Sklaventum der Sünde und des Todes befreit hat, wenn wir auf das himmlische Vaterland schauen, dann haben wir ein neues Licht, eine neue Kraft in unseren alltäglichen Mühseligkeiten. Es ist ein kostbarer Dienst, den wir in dieser Welt zu tun haben, weil es oft nicht mehr gelingt, den Blick zu Gott zu erheben. Danke.

Zusammenfassung der Katechese des Heiligen Vaters in deutscher Sprache

Liebe Brüder und Schwestern, der Tod und die Auferstehung Christi sind das Fundament unseres Glaubens und unseres Heils. Im Ostergeschehen befreit Christus uns von der Knechtschaft der Sünde und macht uns zu Kindern Gottes. Aber wie wird uns dies persönlich zuteil? Durch das Sakrament der Taufe. Wir sind getauft durch den Tod und die Auferstehung Christi und wurden so zu neuem Leben geboren. Der Heilige Geist wirkt in uns dieses neue Sein als Kinder Gottes. So ist die Gotteskindschaft das grösste Geschenk des Ostergeheimnisses. Gott nimmt uns als Kinder an. Er liebt uns, auch dann wenn wir Fehler machen. Doch unsere Beziehung zu Gott als seinen Söhne und Töchter ist nicht einfach ein Schatz, der im Leben nur zu hüten wäre, sie muss viel mehr wachsen und Tag für Tag genährt werden, durch das Hören des Wortes Gottes, durch das Gebet und die Teilnahme an den Sakramenten, insbesondere der Beichte und der Eucharistie. Wir können als Kinder Gottes leben und darin besteht unsere Würde. Die Versuchung, Gott beiseite zu schieben, und die Erfahrung der Sünde, verletzen unser Leben als Kinder Gottes. Wir müssen den Mut des Glaubens haben. Nur wenn wir als Kinder Gottes leben und spüren, wie er uns liebt, dann wird unser Leben neu, unbeschwert und voller Freude. Gott ist unsere Stärke, Gott ist unsere Hoffnung, und wir selbst müssen sichtbares Zeichen dieser Hoffnung sein. Christ sein, heisst nicht bloss die Gebote befolgen, sondern in Christus sein, denken, handeln, lieben wie Christus und zulassen, dass der Herr von unseren Leben Besitz ergreife und es verwandelt und frei macht vom Dunkel des Bösen und der Sünde. So wollen wir unseren Mitmenschen den auferstandenen Christus bringen. Durch die Verkündigung seiner Botschaft und mehr noch durch ein christliches Leben, durch ein Leben als Auferstandene.

Der Heilige Vater begrüsst die deutschsprachigen Pilger

Sehr herzlich begrüsse ich die Pilger deutscher Sprache, vor allem die jungen Freunde, insbesondere die Schulgruppen aus Münster und Diessen. Vielen Dank auch für die Musik. Christus ist gestorben und auferstanden, um uns zu Kindern Gottes zu machen. Wir wollen den Menschen um uns, die Freude, Kinder Gottes zu sein, weiterschenken. Wenn wir in Christus leben, dann sind wir wirklich frei und erhalten Kraft für die Mühen des Alltags. Der Herr segne euch alle.

Weitere Hinweise und Quellen